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Cressier (FR)

Polit. Gem. FR, Seebez. 1080 Crisei, dt. früher Grissach. 1811 211 Einw.; 1831 359; 1850 326; 1900 350; 1950 395; 1990 508; 2000 729. Das mehrheitlich französischsprachige und kath. C. liegt mitten in einer deutschsprachigen und ref. Gegend. Siedlungsspuren aus der mittleren Bronzezeit; Grabtumuli der Hallstattzeit (1971 entdeckt). Ab dem 12. Jh. bildete das Gebiet der heutigen Gem. als thierstein. Lehen eine kleine Herrschaft der Fam. de C. Die Thiersteiner verkauften sie 1442 der Stadt Freiburg (Spitalpanner), welche die landesherrl. Rechte und die Strafgerichtsbarkeit bis 1798 ausübte. Die Herrschaft kam durch Heirat von den de C. an die von Bubenberg, um dann mehrmals verkauft und aufgeteilt zu werden. 1529 ging sie in den Besitz der Fam. de Praroman über - Freiburg beanspruchte allerdings die Hoheitsrechte und die hohe Gerichtsbarkeit für sich - und 1699 wurde sie von der Fam. de Reynold erworben. Während die Feudalrechte nach und nach von den Einwohnern von C. zurückgekauft wurden, blieben das Schloss und die dazugehörigen Güter bis 1980 Eigentum dieser Fam. Das sog. Manoir de Reynold, mit prachtvollen Innendekorationen ausgestattet, wurde zwischen Ende 16. Jh. und 1661 erbaut und ersetzte einen Vorgängerbau aus dem 15. oder 16. Jh. Das Kollaturrecht der 1228 erw. Pfarrei C. war mit der Herrschaft verbunden und wurde vom 16. bis 19. Jh. von Freiburg ausgeübt. Die dem Evangelisten Johannes geweihte Kirche (das Patronat ist 1402 bezeugt) wurde 1841-44 neugebaut. Die St. Urbanskapelle ausserhalb des Dorfes, die 1464 belegt ist, wurde 1622 und vielleicht 1697 erneuert. Um den 1898 erstellten Bahnhof an der Eisenbahnlinie Freiburg-Murten entstand ein neues Quartier. Das Dorf, in dem nicht nur Getreide angebaut, sondern auch Käse (bis 1998 Emmentaler, seit 1994 Mont Vully) hergestellt wird, hat seinen ländl. Charakter behalten. C. ist seit 1992 Sitz des Medizintechnikunternehmens DiaMed.


Literatur
– Dellion, Dict. 4, 406-417
– B. de Vevey, Châteaux et maison fortes du canton de Fribourg, 1978, 93-95
Kdm FR 4, 1989, 163-202

Autorin/Autor: Marianne Rolle / GS