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Pfürtner, Stephan

geboren 23.11.1922 (Hubertus) Danzig,gestorben 2.7.2012 Marburg, kath., Deutscher. Sohn des Joseph, Typografen, und der Maria geb. Kotzki. ∞ 1974 Irmgard Bloos, Ärztin. Im 2. Weltkrieg war P. Medizinstudent und leistete Wehrdienst. Er wurde zweimal von der Gestapo wegen Widerstands gegen das Naziregime verhaftet. 1945 trat er in den Dominikanerorden ein. Er studierte Theologie in Freiburg, Walberberg (Gem. Bornheim bei Köln) und Rom und schloss dort am Angelicum 1954 mit dem Doktorat ab. In Walberberg, später an der Univ. Freiburg, wo er 1966-74 als Prof. wirkte, lehrte er Moraltheologie. 1971 erklärte er anlässlich einer Konferenz in Bern, die Sexualität sei ein wichtiger Bestandteil der menschl. Selbstverwirklichung, und relativierte die Bedeutung der Moralvorschriften. Nachdem er von der Glaubenskongregation in Rom beschuldigt worden war, im Bereich der Sexualethik gegen die kirchl. Autorität verstossen zu haben, trat er 1974 von seinem Lehrstuhl zurück und verliess seinen Orden. Seine akadem. Laufbahn setzte er in Deutschland als Prof. für Sozialethik an der Fakultät für evang. Theologie in Marburg bis 1988 fort. 2007 wurde er für seinen Einsatz für drei Jüdinnen, denen er zur Flucht aus dem Konzentrationslager verholfen hatte, mit dem Ehrentitel Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet.


Werke
Kirche und Sexualität, 1972
Nicht ohne Hoffnung, 2001, (Autobiogr.)
Literatur
– L. Kaufmann, Ein ungelöster Kirchenkonflikt: der Fall P., 1987
Gesch. der Univ. Freiburg, Schweiz, 1889-1989, 2, 1991, 557 f.; 3, 1992, 979 f.
– A. Bondolfi, «Stephan Hubert P. (geboren 1922)», in Portraits théologiques, hg. von B. Bürki, S. Leimgruber, 1998, 366-380

Autorin/Autor: Jacques Rime / GL