22/11/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Langnau am Albis

Polit. Gem. ZH, Bez. Horgen, bestehend aus dem Dorf L., den Höfen von Rängg und auf dem Albis, heute Teil der Agglomeration Zürich. 1101-50 Langenow (Kopie 14. Jh.), 1133-67 Langenouw. 1467 60-70 Einw.; 1634 315; 1671 395; 1725 577; 1809 655; 1836 1'108; 1850 1'197; 1900 1'912; 1941 1'749; 1950 2'290; 1970 4'879; 2000 6'595. Die Besiedlung setzte hauptsächlich im 12. Jh. ein. 1397 kann in L. eine Dorforganisation erfasst werden; der Einzugsbrief von 1588 betraf erstmals L. und Rängg gemeinsam. Das Bewusstsein, dass versch. Teile zusammengeschmolzen waren, blieb allerdings bestehen: Zumindest in der Kirchgemeinde wurden die Ämter in einer bestimmten Kehrordnung besetzt, und das im 20. Jh. geschaffene Gemeindewappen symbolisiert die drei Gemeindeteile L., Rängg und Albis.

Bis weit ins 19. Jh. war die Landwirtschaft (Milch-Graswirtschaft) vorherrschend. Ein markanter Einschnitt erfolgte durch die Gründung der Spinnerei Langnau (1827), einer der grössten Betriebe der Schweiz (1985 aufgegeben). Mit dem Bau des Fabrikkanals veränderte sich das Bild der Sihllandschaft, in der näheren Umgebung entstanden neue Wohnhäuser. L. gehörte ursprünglich zur Thalwiler Kirche. Gegen 1700 kamen Bestrebungen in Gange, eine eigene Kirchgemeinde - und damit auch eine eigene Schule - zu schaffen; 1711 war dieser Wunsch erfüllt, die Kirche erbaut. Während L. vor 1798 eine rein ref. Gemeinde war, änderte sich im 19. Jh. sowohl die konfessionelle Zusammensetzung wie die Herkunft der Bevölkerung: Der kath. Anteil stieg bis 1900 auf 26%, der Ausländeranteil auf 11%, jener der Gemeindebürger sank auf 19%. 1863 wurde eine kath. Kapelle im Estrich der Spinnerei eingerichtet, seit 1880 besteht die kath. Pfarrei L.-Gattikon. Die Anzahl der Wirtepatente erhöhte sich von sechs (um 1830) auf die Rekordzahl von zwanzig (1900). Herausragende Betriebe waren Anfang des 21. Jh. die 1953 gegr. Metallwarenfabrik Schneider sowie das Heim für Taubblinde (seit 1990 in L.).

Der Albispass wirkte sich kaum auf das Dorfbild aus, da der Verkehr grösstenteils oberhalb von L. durchführte. 1892 wurde die Sihltalbahn eröffnet. Als Ausflugsbahn für die Stadtzürcher (Tierpark Langenberg seit 1874, Sihlwald, Albis) ohne Transitbedeutung beeinflusste sie L. zunächst nur wenig; immerhin erhielt die Spinnerei einen Geleiseanschluss. Ebensowenig wirkte sich vorerst die Sihltalstrasse auf das Siedlungsbild aus. Die guten Verkehrsverbindungen (A3, Sihltalbahn als S-Bahn) fördern aber seit 1960 die Entwicklung zur Agglomerationsgemeinde mit grossen Mietshäusern in der Talsohle und Einfamilienhäusern im oberen Dorfteil.


Literatur
Langnauerpost, H. 1-, 1952-
– P. Trüeb, 250 Jahre Kirche L. 1711-1961, 1961
– F. Marbach et al., 100 Jahre Pfarrkirche St. Marien L.-Gattikon, 1977
– H. Stucki et al., L., Bd. 1-, 1984-

Autorin/Autor: Heinzpeter Stucki