Pfalzen

Im Itinerar der ma. Könige kam den P. (palatia, sedes regiae) eine wichtige Funktion als repräsentativ ausgestaltete Regierungsstätten und Verwaltungssitze zu. Auf ihren Reisen machten die Herrscher mit ihrem Gefolge auch in Bischofsstädten und Reichsabteien vielfach Station und nahmen Gastung. Königl. Amtsträger und Stellvertreter verfügten ihrerseits über eine Pfalz als Symbol der Macht, mitunter gemeinsam mit dem König.Königl. Aufenthaltsorte bestanden im Früh- und HochMA auch im Gebiet der Schweiz, das, geprägt durch die Alpen, Schnittfeld und Grenzbereich des Regnum Teutonicum, des Regnum Italiae und des Königreichs Burgund war und daher häufig als Transitraum genutzt wurde. Im Westen spielten das burgund. Rhonereich Genf, das bereits 534 als sedes Kg. Gundobads und seines Sohns Sigismund in das Merowingerreich integriert worden war, ebenso wie dessen Klostergründung Saint-Maurice eine bedeutsame Rolle und behielten diese in der Folge, nicht zuletzt im Zuge der Alpenüberquerung. Daneben ist der Juraübergang Orbe in karoling. Zeit als Ort von Herrschertreffen belegt. In Lausanne und v.a. in Basel hielten die Könige bis ins SpätMA hinein Hof. Weiter östlich, an der Route der Bündner Pässe, beherbergten, insbesondere im FrühMA, das Kloster St. Gallen und der Bischofssitz Chur die Herrscher auf ihrem Weg über die Alpen.Eine in der schriftl. Überlieferung wie im archäolog. Befund gut belegte Pfalz befand sich in Zürich im Bereich des spätröm. Kastells auf dem Lindenhof. Sichere Nachrichten zu Herrscheraufenthalten setzten Mitte des 10. Jh. ein und verdichteten sich im 11. Jh. unter Ks. Heinrich III. Der Neubau der Pfalz wurde vermutlich von ihm veranlasst.


Literatur
– T. von Liebenau, «Über die Reichspfalzen der Schweiz», in Kath. Schweizer-Bl., NF 17, 1901, 132-144, 323-379
LexMA 6, 1993-2011
GKZ 1, 152-156
– T. Zotz, «Turegum nobilissimum Sueviae oppidum», in Frühma. Stud. 36, 2002, 337-354
– R. Kaiser, Die Burgunder, 2004

Autorin/Autor: Thomas Zotz