27/11/2012 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Schweizerische Eidgenossenschaft

Seit 1803 offizieller Name für die polit. Einheit Schweiz; franz. Confédération suisse, ital. Confederazione svizzera, rom. Confederaziun svizra, lat. Confoederatio helvetica. Die Wortkombination S. findet sich vereinzelt im 16. und 17. Jh., wobei die zwei vom 14. Jh. an getrennt verwendeten Ausdrücke Schweiz und Eidgenossenschaft kombiniert werden. Als Oberbegriff für die Kantone sowie deren zugewandte Orte und Untertanengebiete wurde der Name im 18. Jh. geläufig, war aber weder die einzige (Corpus helveticum) noch die offizielle Bezeichnung. Vermutlich trug Johannes von Müllers Werk "Der Geschichten schweiz. Eidgenossenschaft" (5 Teile, 1786-1808) zur Popularisierung des Namens bei. Dieser kommt in der Mediationsakte nicht vor, doch beschloss die Tagsatzung am 5.7.1803, ein Siegel mit der Inschrift S. herstellen zu lassen. Ferner trug Napoleon den Titel Médiateur de la Confédération suisse. Der Bundesvertrag von 1815 hielt fest, "die XXII Cantone constituiren sich als S.". Die Bundesverfassungen (BV) von 1848 bzw. 1874 gingen weiter und erklärten die S. nicht nur zum Gegenstand der Verfassung, sondern auch zum Souverän, der sie angenommen hat. Diese Doppelbedeutung verschwand wieder in der BV von 1999, in der sich das Schweizervolk und die Kantone die Verfassung gaben. Die Entsprechungen für S. in den rom. Sprachen stellen einen Anachronismus dar, da die Schweiz kein Staatenbund mehr ist. Die dt. Begriffe Eidgenossenschaft oder Bund bezeichnen dagegen keine spezif. Staatsform. Obwohl der Name S. in der Geschichtsschreibung synonym für die Schweiz verwendet wird, ist er nicht wertfrei. Er impliziert ein teleolog. Geschichtsverständnis, gemäss dem sich die Schweiz organisch aus den spätma. Schwurbündnissen entwickelt hat, denen sich weitere Stände mit ihren je eigenen Geschichten anschlossen.


Literatur
– W. Oechsli, «Die Benennungen der alten Eidgenossenschaft und ihrer Glieder», in JSG 41, 1916, 51-230; 42, 1917, 87-258
Commentaire de la Constitution fédérale de la Confédération suisse du 29 mai 1874, hg. von J.-F. Aubert et al., 1987-1996
– G.P. Marchal, Schweizer Gebrauchsgesch., 2006

Autorin/Autor: Marco Marcacci / MD