01/03/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Corpus helveticum

C. ist die seit dem 17. Jh. gebräuchl. Bezeichnung für die Schweizerische Eidgenossenschaft bzw. die Gesamtheit der dreizehn Orte und ihrer Zugewandten, wobei die Begriffe Eidgenossenschaft, Schweiz, Confoederatio helvetica, Magna Liga, Ligues und Helvetia weiterhin verwendet wurden. Der Ausdruck griff den von den Humanisten neu entdeckten Namen der Helvetier für die Eidgenossen auf. Corps helvétique wurde in der diplomat. Korrespondenz der franz. Ambassadoren in den ersten Jahrzehnten des 17. Jh. häufig verwendet, obwohl die Ausdrucksweise noch unter Ludwig XIV. uneinheitlich war (auch Corps des Ligues helvétiques, Corps de la Nation helvétique, République helvétique). Gegen Ende des 17. Jh. setzte sich Corps helvétique in den franz. Königsbriefen durch, und für das 18. Jh. kann der Ausdruck als offizielle franz. Benennung der Schweiz gelten. Im Trücklibund der kath. Orte mit Frankreich 1715 wurde die Bezeichnung "les anciennes ligues (des Hautes Allemagnes)" aus dem Bündnis mit Frankreich von 1663 überall durch Corps helvétique ersetzt. Auch in den ital. Staaten sowie in Spanien, den Niederlanden und in England wurde der franz. Begriff im 18. Jh. zum offiziellen Namen der Schweiz. In dt. Akten entsprachen zwar Benennungen wie eidg. Corpus, helvet. Corpus oder Corpus schlechthin der franz. Ausdrucksweise, doch wurde Corps helvétique im Deutschen gewöhnlich mit Eidgnoßschaft oder Eidgnoss. Stand wiedergegeben. Der franz. Begriff ging auch in die französischsprachige Literatur des 18. Jh. ein. 1792 garantierte der franz. Gesandte François de Barthélemy der Tagsatzung erneut die Achtung der Neutralität des "Louable Corps helvétique" durch Frankreich. Mit der Helvet. Republik 1798 verschwand der Ausdruck.


Literatur
– W. Oechsli, «Die Benennungen der alten Eidgenossenschaft und ihrer Glieder», in JSG 41, 1916, 51-230; 42, 1917, 87-258, v.a. 168-177
HbSG, 675

Autorin/Autor: André Holenstein