05/03/2012 | Rückmeldung | PDF | drucken

Tagwen

Mit T. (Tagewerk, Fronarbeit, Gemeinwerk) wurden vermutlich schon im 12. Jh. die Fronbezirke des Klosters Säckingen bezeichnet. Aber erst mit der Übergabe des klösterl. Meieramts an die Habsburger 1288 fand der Begriff Eingang in glarner. Urkunden. Aus den 25 bestehenden klösterl. Frontagwen wurden nun auch 25 habsburg. Steuertagwen gebildet, wobei zu den säcking. Frontagwen nur die Hörigen des Klosters, zu den habsburg. Steuertagwen aber alle Glarner innerhalb des Bezirks gehörten. In der Folgezeit kam es zu Neueinteilungen. Die glarner. Landsatzungen von 1387 nennen 15 Wahltagwen (Wahlbezirke), eine Art Wirtschaftseinheit mit eigener Allmende und meistens auch eigenem Wald. Es waren dies die sog. fünf grossen T. Glarus (inkl. Riedern), Rüti (inkl. Ennetlinth), Schwanden, Näfels und Kerenzen-Bilten, die fünf mittleren T. Niederurnen-Oberurnen, Mollis, Netstal, Betschwanden (inkl. Diesbach, Hätzingen und Haslen) und Matt (inkl. Engi) und die fünf kleinen T. Elm, Linthal (Dorf und Matt), Mitlödi (inkl. Sool und Schwändi), Ennenda und der Eschentagwen, bestehend aus den Gem. Luchsingen und Nidfurn. Auch einzelne Teilgemeinden eines Wahltagwens übernahmen später diesen Begriff. Bis 1938, als sich Braunwald vom Gemeindegebiet Rüti löste, entstanden so insgesamt 31 glarner. T. Der T. wurde mit der Zeit zu einer rein bürgerl. Verwaltungs- und Nutzungsgemeinde (Bürgergemeinde), deren Verwaltungstätigkeit sich in eine interne zugunsten der Tagwensbürger und eine externe zugunsten des öffentl. Wohls gliederte. Oberstes Organ des T.s war die Tagwensversammlung, die sämtl. ortsanwesende Bürger umfasste und üblicherweise im Anschluss an die Ortsgemeinde gehalten wurde. Mit der Kantonsverfassung von 1988, die erstmals Einheitsgemeinden zuliess, schrumpfte die Zahl der T. bis 2009 auf neun zusammen und mit den von der Landsgemeinde 2006 beschlossenen drei Grossgemeinden wurden 2011 alle T. aufgelöst.


Quellen
SSRQ GL IV
Literatur
– R. Stüssi, Gesch. des glarner. Land- und Tagwenrechts, 1912
– K. Luchsinger, Der T. im Rahmen des glarner. Gemeindewesens, 1941

Autorin/Autor: Hans Laupper