• <b>Zenden</b><br>Quelle: Historischer Atlas der Schweiz, hg. von H. Ammann, K. Schib,  <SUP>2</SUP> 1958, 66  © 2000 HLS und Kohli Kartografie, Bern.

Zenden

Teilgebiete der Grafschaft Wallis bzw. 1613-1798 der Landschaft Wallis und Republik der sieben Z. (franz. dizain). Der Begriff decima tauchte 1355 erstmals in einer Urkunde auf. Seine Herkunft ist unklar und wird unterschiedlich erklärt: mit der Zahl von zehn statt sieben Z. vor dem 15. Jh., mit der Zehntpflicht gegenüber dem Bf. von Sitten oder mit einer falschen Herleitung vom lat. centena.

Die sieben Z. bildeten selbstständige Kleinstrepubliken. Sie waren ähnlich organisiert und gliederten sich in Drittel (Leuk, Raron, Sitten), Viertel (Goms, Visp), Gumper (Brig) oder Contrées (Siders) sowie Korporationen und Pfarreien. Jeder Z. besass Siegel, Banner und Hoheitsrechte und pflegte eigene Aussenbeziehungen. Die Z. wurden von einem Meier (major, Goms, Leuk, Raron) oder einem Kastlan (châtelain, Brig, Siders, Sitten, Visp) geleitet: Meier ist eine aus dem Feudalwesen abgeleitete Walliser Bezeichnung, während der Begriff Kastlan das Bemühen einiger Bischöfe spiegelt, im Wallis im 14. Jh. das savoy. Verwaltungssystem einzuführen. Die Meier bzw. Kastlane wurden ab dem 15. Jh. für ein Jahr von der jeweiligen Zendenversammlung gewählt. Diese fand unregelmässig, aber mindestens einmal im Jahr statt. Ihr gehörten die Vertreter der Gem., der Meier bzw. Kastlan, der Bannerherr (banneret) und der Zendenhauptmann (capitaine de dizain) an. Es gab keine eigentl. Aufgabenteilung und keine Zendenkasse.

Die Z. bildeten einen Bund, dessen höchste Gewalt der Landrat (diète) inne hatte, an dem die oben genannten Amtsträger ihre Z. häufig als Boten vertraten. Dem Landrat standen der Bf. von Sitten und der Landeshauptmann vor, wobei der Vorsitz des Bischofs ab 1613 provisorisch bzw. ab 1634 definitiv nur noch ein Ehrenrecht war. Der Landrat erhielt die Pensionen des franz. Königs und die Gelder von Savoyen und aus dem Untertanengebiet im Unterwallis und verteilte sie unter den Z., die sie den Amtsträgern der Z. oder Gem., manchmal ehem. Meiern bzw. Kastlanen weitergaben.

Als das Unterwallis 1798 seine Unabhängigkeit erlangte, erhöhte sich die Zahl der Z. mit Monthey, Saint-Maurice und Entremont auf zehn. Die Republik Wallis von 1802 wies neu zwölf Distrikte auf, die bisherigen Z. ergänzt um Martigny und Hérémence. Als franz. Departement Simplon war das Wallis 1810 in 13 Kantone gegliedert, wobei Raron zweigeteilt wurde. Die Kantonsverfassung von 1815 organisierte den Kanton in 13 Z. - die zwölf von 1802 und Conthey -, die mit der Verfassung von 1848 in Bezirke umbenannt wurden.

<b>Zenden</b><br>Quelle: Historischer Atlas der Schweiz, hg. von H. Ammann, K. Schib,  <SUP>2</SUP> 1958, 66  © 2000 HLS und Kohli Kartografie, Bern.<BR/>
Die VII Walliser Zenden und ihre Untertanengebiete


Literatur
– D. Imesch, «Der Z. Brig bis 1798», in BWG 7, 1930, 103-224
– G. Ghika, La fin de l'état corporatif en Valais et l'établissement de la souveraineté des dizains au XVIIe siècle, 1947
– L. Carlen, Gericht und Gem. im Goms vom MA bis zur franz. Revolution, 1967
– C. Schnyder, Reformation und Demokratie im Wallis (1524-1613), 2002, 24-47

Autorin/Autor: Rachel Siggen-Bruttin / CBA