Inquisition

Die I. - die richterl. Verfolgung der Häresie durch von der Kirche eingesetzte Glaubenstribunale - wurde durch Papst Gregor IX. (1227-41) 1231 im Kampf gegen die Katharer in Südfrankreich eingerichtet und 1233 den Bettelorden, insbesondere den Dominikanern, anvertraut. Diese erhielten 1267 auch den Auftrag, die I. in den Diözesen Besançon, Genf, Lausanne, Sitten, Toul, Metz und Verdun einzurichten. Allerdings begannen die Dominikaner von Lausanne erst in der 2. Hälfte des 14. Jh. in den Diözesen Lausanne, Genf und Sitten I. zu betreiben, zunächst in Freiburg, wo 1375 die Beginen vom Freien Geist sowie 1399 und 1430 die Waldenser durch die I. verfolgt wurden. Von der Reorganisation der dominikan. I. unter Papst Urban V. scheint zumindest an den Rändern auch das Gebiet der nachmaligen Schweiz betroffen gewesen zu sein. Zu einer ständigen Institution wurde die I. in den Diözesen Lausanne, Genf und Sitten erst unter dem Dominikaner Ulric de Torrenté, der 1438 in Dommartin und 1439 in Neuenburg erste Hexenprozesse führte. In der Diözese Genf agierten in der 2. Hälfte des 15. Jh. Brüder aus dem Genfer Dominikanerkonvent zunächst als Vize-, zu Beginn des 16. Jh. dann als unabhängige Inquisitoren. Obwohl zur Diözese Lausanne gehörig, zog die Stadt Bern zur Bekämpfung der Waldenser 1399 einen Basler Dominikaner, Nikolaus Rosenbusch von Landau, bei. In der Diözese Basel selbst ist nach dem Dominikaner Werner von Pontis 1400 nur Henricus Institoris 1482 als Inquisitor nachweisbar. In Luzern agierte 1403 der "Ketzermeister" Heinrich Angermeier, einer der von Richard Kieckhefer beschriebenen selbsternannten Wanderinquisitoren. Aus dem observanten Basler Dominikanerkonvent stammt schliesslich Heinrich Ryss, der 1483 als Prior des Churer Dominikanerkonvents und Inquisitor der Diözese Chur belegt ist. Dagegen scheint der nicht observante Zürcher Konvent keine I. betrieben zu haben. Noch bevor die Dominikanerkonvente in der Reformation aufgehoben worden waren, begannen die weltl. Mächte auf eigene Faust Hexenprozesse zu führen. In der Leventina wirkte bis 1432 die oberitalienische I. der Lombardei und der Mark Genua, dann (ab 1457) das Talgericht. In der Neuzeit gab es die I. wohl noch auf der iberischen Halbinsel und in Italien, aber nicht mehr in der Schweiz.


Literatur
– R. Kieckhefer, Repression of Heresy in Medieval Germany, 1979, 55 f., 72 f.
– K. Utz Tremp, «Der Freiburger Waldenserprozess von 1399», in FGB 68, 1991, 57-85
– E. Maier et al., «Le pouvoir de l'inquisition», in Les pays romands au Moyen Age, hg. von A. Paravicini Bagliani et al., 1997, 247-258
HS IV/5
– N. Schatzmann, Verdorrende Bäume und Brote wie Kuhfladen, 2003
– L. Vones, «Papst Urban V. (1362-1370) und die dominikan. I.,», in Praedicatores, Inquisitores I, 2004, 500 f

Autorin/Autor: Kathrin Utz Tremp