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Todesstrafe

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Die T. ist die durch den Staat oder vorstaatl. Herrschaftsträger hoheitlich angeordnete Tötung eines Menschen im Sinne einer institutionalisierten Reaktion auf dessen als schwerwiegende Verletzung des Friedens bzw. der Rechtsordnung bewertetes Verhalten. Seit der Landfriedensbewegung des 12. Jh. und der Ausbildung der landesherrl. Gewalten sowie des Städtewesens verdrängten obrigkeitlich verhängte peinl. Strafen zunehmend die aus fränk. Zeit stammenden Kompositionsordnungen - Strafensysteme, die auf Wergeld und Busse basierten - sowie die Blutrache. Die vom Kaiser verliehene Blutgerichtsbarkeit wurde zum zentralen Herrschaftsrecht über die jeweilige Rechtsgemeinschaft (Gerichtswesen). Die T. diente im MA gleichermassen der Sühne wie auch der Abschreckung. Todeswürdige Verbrechen waren die Tötung eines Menschen, Strassenraub, Diebstahl, Notzucht und Ehebruch sowie Brandstiftung, seit dem 13. Jh. zunehmend auch Ketzerei und Zauberei. Die T. wurde v.a. an Dieben durch das entehrende Hängen, an Mördern durch Rädern und an Brandstiftern, Ketzern und Zauberern durch Verbrennen vom Scharfrichter vollstreckt, ab dem SpätMA gewöhnlich auf festen Richtstätten. Insbesondere bei weibl. Verurteilten waren das Lebendig-Begraben und das Ertränken (Säcken) verbreitet. Als privilegierte T., da nicht entehrend, galt die Enthauptung durch das Schwert. Bei mehreren todeswürdigen Verbrechen war eine symbol. Kumulation des Vollzugs ebenso wie eine Strafschärfung durch die vorgängige Zufügung von Qualen (z.B. Zangenreissen) möglich.

Ab dem 16. Jh. erfolgte, nicht zuletzt unter dem Einfluss der Carolina, eine rudimentäre Strukturierung der Verfahren, was tendenziell eine gewisse Zurückhaltung in der Anwendung der T. nach sich zog. Die frühmodernen Staatswesen der alten Eidgenossenschaft setzten die T. aber vorwiegend zur Abschreckung und Untermauerung ihres Herrschaftsanspruchs ein. Das Richten nach Gnade wurde zurückgedrängt. V.a. in den ref. Gebieten wurde die T. im Sinn der alttestamentar. Talion - der Vergeltung von Gleichem mit Gleichem - erklärt. Im 17. Jh. nahmen die Hinrichtungen (u.a. viele Hexenverbrennungen) zu. Nach 1715 wurde die T. in der Regel durch Enthauptung mit dem Schwert vollstreckt. Unterschiede bezüglich Art und Häufigkeit der T. sind für die versch. Gebiete der alten Eidgenossenschaft bis ins 18. Jh. kaum feststellbar.

Das "Peinl. Gesetzbuch der helvet. Republik" von 1799 kannte die T. einzig als Hinrichtung durch Enthauptung und ohne Verschärfungsmöglichkeit v.a. bei Mord, schwerer Körperverletzung, Brandstiftung sowie bei Verbrechen gegen die Staatsverfassung. Nach 1805 wurde in den meisten Kantonen das Strafrecht kodifiziert, wodurch die T. ihre rechtsstaatl. Grundlage erhielt (Kodifikation). Zum Kernbestand der mit der T. bedrohten Delikte gehörten Mord, schwerer Raub, schwere Verbrechen gegen den Staat sowie Brandstiftung. Die Hinrichtung fand durch Enthauptung statt. Beeinflusst durch Voltaires und Cesare Beccarias Schriften forderte 1816 Jean-Jacques de Sellon vor dem Genfer Gr. Rat die Abschaffung der T. mit der Begründung, die Würde des menschl. Lebens sei unantastbar.

Die Strafgesetzbücher der Regeneration zogen den Kreis der mit der T. bedrohten Verbrechen, insbesondere in Bezug auf polit. Delikte, enger. Die Bundesverfassung von 1848 untersagte die Anwendung der T. für polit. Vergehen. Einzelne Kantone schafften daraufhin die T. gänzlich ab, so Freiburg 1848 (wiedereingeführt 1868), Neuenburg 1864, Zürich 1869, Tessin und Genf 1871, Basel-Stadt 1872, Basel-Land 1873 und Solothurn 1874. Die Bundesverfassung von 1874 verbot die T. vorübergehend für die ganze Schweiz, aber schon 1879 erhielten die Kantone das Gesetzgebungsrecht für die T. vom Bund zurück. Davon machten 1880 Appenzell Innerrhoden, Obwalden und Uri, 1881 Schwyz, 1882 Zug und St. Gallen, 1883 Luzern und das Wallis, 1893 Schaffhausen und 1894 Freiburg Gebrauch. Die T. war in diesen Kantonen für Mord und gemeingefährl. Delikte mit Todesfolge vorgesehen. Ab 1848 wurde die T. nur noch selten vollstreckt; meistens erfolgte eine Begnadigung. Die letzte Hinrichtung fand 1940 in Sarnen statt. Erst das 1942 in Kraft getretene Schweiz. Strafgesetzbuch verbannte die T. bundesweit aus dem zivilen Strafrecht. Das Militärstrafrecht behielt die T. bis 1992 bei. Während des 2. Weltkriegs wurden in der Schweiz 17 durch Militärgerichte wegen Landesverrats zum Tod verurteilte Angehörige der Schweizer Armee hingerichtet. Die Schweiz ratifizierte 2002 das Zusatzprotokoll Nr. 13 der Europ. Menschenrechtskonvention "Zur Abschaffung der T. unter allen Umständen" und engagierte sich auch im Rahmen der UNO für dieses Anliegen.


Literatur
– H. Pfenninger, Das Strafrecht der Schweiz, 1890
– C. Stooss, Die Grundzüge des schweiz. Strafrechts 1, 1892
– P. Logoz, La peine de mort et l'unification du droit pénal en Suisse, 1912
– S. Suter, Guillotine oder Zuchthaus? Die Abschaffung der T. in der Schweiz, 1997

Autorin/Autor: Lukas Gschwend