• <b>Othmar Schoeck</b><br>Fotografie, 1941  © KEYSTONE/Photopress.

No 2

Schoeck, Othmar

geboren 1.9.1886 Brunnen, gestorben 8.3.1957 Zürich, ref., von Basel. Sohn des Alfred, Malers, und der Agathe geb. Fassbind. Bruder des Paul ( -> 3). ∞ Hilde Bartscher. Ab 1904 Musikausbildung in Zürich und 1907-08 bei Max Reger in Leipzig. Komponist, Betreuer mehrerer Chöre und Klavierbegleiter in Zürich. 1917-44 Leiter der Symphoniekonzerte in St. Gallen. Den Mittelpunkt von S.s kompositor. Schaffen bilden die über 400, zumeist als Zyklen veröffentlichten klavier- oder orchesterbegleiteten Lieder. Bedeutend sind auch seine Bühnenwerke, denen er literar. Texte zugrunde legte, darunter "Erwin und Elmire" (1911-16, Johann Wolfgang von Goethe), "Das Wandbild" (1918, Ferruccio Busoni), "Penthesilea" (1923-25, Heinrich von Kleist), "Vom Fischer un syner Fru" (1928-30, Philipp Otto Runge) oder "Das Schloss Dürande" (1937-41, Hermann Burte nach Joseph von Eichendorff). Dreimal vertonte er ein Libretto seines Freundes Armin Rüeger, nämlich "Don Ranudo" (1917-18, nach Ludvig Holberg), "Venus" (1919-21, nach Prosper Mérimée) und "Massimilla Doni" (1934-35, nach Honoré de Balzac). Seine Instrumentalmusik umfasst Kompositionen für versch. Besetzungen, sowohl für Soloinstrumente wie für ein grosses Orchester. Seine Chorstücke für Gemischten Chor, Männer-, Frauen- oder Kinderchor, sowohl mit, als auch ohne Begleitung, entstanden oft zu besonderen Anlässen, etwa zu Jubiläen.

<b>Othmar Schoeck</b><br>Fotografie, 1941  © KEYSTONE/Photopress.<BR/>
Fotografie, 1941 © KEYSTONE/Photopress.
(...)

S.s Kunstauffassung war in der Tradition des 19. Jh., v.a. im Festhalten am Prinzip des Ausdrucks, verankert. Trotz grundsätzl. Vorbehalte öffnete er sich auf der Ebene der kompositor. Konkretisierung den Errungenschaften der neueren Tonkunst, wie etwa dem Aufbrechen der Tonalität, dem Verzicht auf ein durchgehendes Metrum, der Mischung gattungsspezif. Merkmale oder dem Experimentieren im Bereich der Instrumentation. Inhaltlich kreisen sowohl die vokalen wie auch die instrumentalen Werke um Themen wie Kunst und Leben, Mann und Frau, Geist und Körper, das Reine und das Kranke, Natur, Heimat und Vaterland. Seine Weigerung, den Entwicklungen der Musik ab den 1920er Jahren zu folgen, behinderte S.s internat. Anerkennung. Die jüngere Rezeption der Werke S.s hat indes die Notwendigkeit einer Neubeurteilung der musikgeschichtl. Stellung des Komponisten deutlich werden lassen. 1928 Dr. h.c. der Univ. Zürich.


Werke
Sämtl. Werke, 24 Bd., 1995-
Archive
– ZBZ, Musikabt., Nachlass

Autorin/Autor: Max Lütolf