Granges-Paccot

Polit. Gem. FR, Saanebez., nördlich von Freiburg am linken Flussufer gelegen. 1317 Grangiarum ante la mota dicti castri. Dt. Zur Schüren. 1811 167 Einw.; 1850 180; 1900 311; 1950 480; 1970 1'303; 2000 2'042. Im MA führten die "Granges" (Scheunen) den Namen der jeweiligen Besitzerfamilie. Im 13. Jh. bildeten sie mit Givisiez eine Herrschaft der Fam. von Englisberg, die dort eine Burg innehatten; sie gingen dann an die Billens, die sie 1317 an das Bürgerspital von Freiburg verkauften. Im 16 Jh. bewirtschaftete die Fam. Paccot, die vermutlich aus Cournillens stammte, das Gut. G. umfasste rund zehn Weiler mit landwirtschaftl. Betrieben und einer Mühle. In der Neuzeit machten die Freiburger Bürgerfamilien hier Sommerfrische. 1793 löste sich G. von Givisiez und bildete eine eigene Gem.; kirchlich blieb es aber wie bis anhin bei der Pfarrei Givisiez. Der Bau der Strasse, die den neuen Freiburger Bez. Murten mit dem Hauptort verband, stärkte ab 1808 die Stellung von G.; die Gem. konnte ihr Gebiet gegen die Begehrlichkeiten von Freiburg und Givisiez verteidigen. Sie war aber zu schwach, um während des Eisenbahnbaus - zwei Strecken wurden über das Gemeindegebiet geführt, in dem auch die 1862 erstellte Eisenbahnbrücke Grandfrey liegt - eine eigene Haltestelle durchzusetzen. Zum Symbol der kommunalen Eigenständigkeit wurde die Primarschule. Nachdem G. die Schule lange mit Givisiez, wo der Unterricht auch gehalten wurde, geteilt hatte, konnte es 1906 das eigene Schulgebäude einweihen. Ab 1950 wandelte sich im Zuge der Verstädterung das Ortsbild: War es früher von bäuerl. Hofsiedlungen geprägt, so entstanden jetzt einer modernen Architektur verpflichtete Bauten. Die Zweiteilung der Gem. durch den Bau der Autobahn A12 1977 bremste zwar die Entwicklung zur Wohngem., begünstigte aber auch die Ansiedlung grosser Industrie- und Einkaufszentren. Mit dem Forum-Freiburg, einem Messe- und Konferenzzentrum, steuerte G. seinen Teil zur Entstehung der Freiburger Agglomeration bei.


Literatur
– M. Nicoulin, G. corps et âmes, 2004

Autorin/Autor: Martin Nicoulin / AL