24/10/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Farvagny-le-Grand

Ehem. polit. Gem. FR, Saanebez., seit 1996 Teil der Gem. Farvagny. 1082 Faverneis, dt. früher Grossfavernach. 1811 223 Einw.; 1850 343; 1900 433; 1950 453; 1980 613; 1990 905. Das von der Viehzucht geprägte Dorf in den Voralpen nördlich des Mont Gibloux gehörte zur Herrschaft Pont, die ab 1250 ein Lehen der Savoyer war. 1483 kaufte die Stadt Freiburg die Herrschaft und errichtete die Vogtei Pont-Farvagny; nach dem Verfall von Schloss Pont wurde F. 1617 deren Hauptort. 1617-25 wurde das Gerichtsgebäude, die Residenz des Vogts, zu einem Schloss umgestaltet (Wappenschild von Freiburg und des Vogts Gibach). Das Landrecht von Moudon galt bis 1655 und wurde danach durch das Freiburger Stadtrecht ersetzt. Eine Pfarrei bestand bereits vor 1082; diese unterstand 1177 den Chorherren vom Grossen Sankt Bernhard, die in F. ein Priorat führten (erw. 1228). Die Kollatur wurde Ende 16. Jh. an das Kapitel St. Niklaus von Freiburg übertragen. 1726 wurde die erste öffentl. Schule eingerichtet.

Während der franz. Invasion von 1798 hielt der Vogt François-Jacques-Nicolas de Müller Freiburg die Treue; die Bevölkerung leistete dem neuen Regime Widerstand. Schloss und Landbesitz wurden 1801 öffentlich versteigert. In der Helvetik wurde F. an den Bez. Romont angeschlossen. 1803-48 war F. Hauptort des 19 Gemeinden umfassenden gleichnamigen Bezirks. Nach dessen Aufhebung wurde F. in den Saanebez. eingegliedert.

Eine Walkmühle wird 1291 erwähnt. Im 19. Jh. entwickelten sich Kunstfutterbau und Milchwirtschaft. Die Strohflechterei war bereits 1842 im Niedergang begriffen. 1834 zählte die Pfarrei, zu der die Gem. F., Farvagny-le-Petit, Posat und Grenilles gehörten, 50 Sozialhilfeempfänger. Die heutige Kirche, die 1888 gebaut und dem hl. Vinzenz geweiht wurde, ersetzte ein Gebäude aus dem 11. Jh. Bis 1920 bestand in F. die Trennung zwischen Bürgern und Habitanten. Die Gemeindesteuer wurde 1923 eingeführt. 1916-32 verkehrte zwischen Freiburg und F. ein elektr. Trolleybus. Die Sekundarschule wurde 1975 gegründet. Seit der Eröffnung der A12 gewinnt F. als regionales Zentrum wieder an Bedeutung (1989 Bibliothek, 1991 Pflegeheim und Einkaufszentrum).


Literatur
– Dellion, Dict. 5, 239-271
– B. Bovet, «F., un peu d'histoire», in Bull. communal, Mai 1986-Nov. 1988

Autorin/Autor: Hubert Guisolan / PO