12/02/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken

Hirzel

Polit. Gem. ZH, Bez. Horgen. Umfasst H.-Kirche, -Spitzen und -Höchi. 1878 Grenzbereinigung im Raum Spitzen; etliche Höfe kamen von Wädenswil, vier von Horgen zu H. (1269 Hirsol). 1678 ca. 800 Einw.; 1786 ca. 1'300; 1850 1'219; 1900 1'154; 1941 977; 1950 1'094; 2000 1'900.

Spät besiedeltes Streusiedlungsgebiet in typ. Moränenlandschaft, enthalten in den Bundesinventaren der Landschaften wie auch der Moorlandschaften von nationaler Bedeutung; heute Naherholungsgebiet der Agglomeration Zürich. Seit Eröffnung der Gotthardroute Anfang des 13. Jh. war der Säumerweg Horgen-H.-Höchi-Babenwag (Sihlbrugg)-Zug ein wichtiger Handelsweg (Innerschweiz, Italien). Hinzu kam der Pilgerweg Sihlbrugg-H.-Spitzen-Einsiedeln. Entlang dieser beiden Hauptachsen entstanden die ersten Siedlungen und Gewerbebetriebe. 1837 Baubeginn der heutigen Zugerstrasse. Ab 853 gehörte das Gebiet zum Albisforst des Fraumünsters Zürich. 1406 wurde es Teil der zürcher. Obervogtei Horgen, das Gebiet Spitzen 1550 Teil der Landvogtei Wädenswil. Eine Niklauskapelle, erstellt im 15. Jh. zur Erinnerung an die 1443 im Gefecht an der Letzi am H. Gefallenen, ist heute verschwunden. 1616-17 liess Zürich oberhalb der Kapelle eine neue Kirche erbauen. 1620 wurde H. zur Kirchgemeinde erhoben, 1660 ein eigenes Schulhaus bezogen. 1773 löste sich H. politisch von Horgen. Neben Landwirtschaft (Viehzucht und Milchwirtschaft, Acker- und Obstbau) und Gewerbe war v.a. im 18. und bis ins späte 19. Jh. die textile Heimarbeit (Baumwolle, Seide) wichtigste Erwerbsgrundlage; deren Verschwinden bewirkte einen starken Bevölkerungsrückgang. 1869 wurde ein Molkereibetrieb gegründet, der 2005 die Produktion einstellte. Seit 1950 sinkt der Anteil der bäuerl. Bevölkerung (2000 9%). 1946 erfolgte die Einweihung der kath. Kirche (Neubau 1991). Die Inbetriebnahme der A3 (1966) brachte eine starke Bautätigkeit und entsprechendes Bevölkerungswachstum; zusammen mit der A4a (1979 bis Sihlbrugg) bewirkte sie eine gewaltige Verkehrszunahme auf der Zugerstrasse (1965-90 rund 600%). 1981 konnte das Johanna-Spyri-Museum eröffnet werden.


Literatur
– J. Winkler, Der H., 1974 (31989)

Autorin/Autor: Jürg Winkler