15/01/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken
No 1

Honegger, Arthur

Dieser Artikel wurde für die Buchausgabe des HLS mit einem Bild illustriert. Bestellen Sie das HLS bei unserem Verlag.

geboren 10.3.1892 Le Havre,gestorben 27.11.1955 Paris, ref., von Zürich, schweiz.-franz. Doppelbürger. Sohn des Arthur, Kaufmanns, und der Julie geb. Ulrich. ∞ Andrée Vaurabourg, Pianistin aus Toulouse, Tochter des Rodolphe Séraphin. Seine Jugend verbrachte H. im Elternhaus in Le Havre. 1909-10 studierte er Violine und Musiktheorie bei Willem de Boer und Lothar Kempter am Zürcher Konservatorium. Erfüllt von der Musik Max Regers und Richard Strauss' setzte er seine Ausbildung, von Le Havre aus, in Paris bei Vincent d'Indy, Charles Widor und anderen bedeutenden Musikern fort. Ab 1913 lebte H. in Paris, wo er als eine Art von Vermittler zwischen alemann. und rom. Kultur mit der künstler. Avantgarde in Verbindung trat; er schrieb Musik aller Gattungen, von der Symphonie und Kammermusik über Oratorium, Oper und Operette bis zur Filmmusik und sprach damit bewusst ein breites Publikum an. Ab 1920 pflegte er eine enge Beziehung mit dem eine neue Einfachheit propagierenden Dichter Jean Cocteau, dem geistigen Vater der Gruppe der Six, zu der auch H. gehörte. Entscheidend für seinen internat. Ruf wurde das Jahr 1921, als er für das Theater von Mézières (VD) den dramat. Psalm "Le roi David" (Text von René Morax) schrieb. Kurz darauf entstanden die Erfolgswerke "Pacific 231" und die Oper "Antigone" (Text von Cocteau). Die späten 1930er Jahre brachten die Begegnung mit dem Dichter Paul Claudel: Neben "La danse des morts" (1938) war es v.a. das 1938 in Basel uraufgeführte dramat. Oratorium "Jeanne d'Arc au bûcher", das während des Krieges in vierzig Städten des unbesetzten Frankreich zu einer Art von nationalem Symbolwerk geworden war. Mit dem polit.-humanist. Engagement H.s hängt auch die 2. Sinfonie zusammen, die 1941-42 im besetzten Paris entstand. Zu dieser Zeit war H. auch als mutiger Musikkritiker und als Kompositionslehrer an der Pariser Ecole normale de musique tätig. Mit dem Oratorium "Nicolas de Flue" (1939), der Szenenmusik zu "Charles le Téméraire" (1944) und anderen Werken bewies er seine Verbundenheit mit der Schweiz. Vorübergehende Erholungsphasen von seinem schweren, zum Tode führenden Herzleiden fand H. auf dem Schönenberg, dem Hause Paul Sachers in Pratteln. Zahlreiche Ehrungen wurden dem Komponisten zuteil: u.a. Mitglied des Institut de France (1938), Dr. h.c. der Univ. Zürich (1948), Grosskreuz der Ehrenlegion. H. war auch Präs. der Confédération internationale des sociétés d'auteurs et compositeurs sowie Vizepräs. des Conseil international de la musique der Unesco. In der seit 1995/96 in Umlauf gesetzten neuen schweiz. Banknotenserie figuriert H.s Bild auf der Zwanzigfrankennote.


Archive
– Schweiz. Musikarchiv, Zürich
Literatur
– W. Tappolet, Arthur H., 1954
– P. Meylan, Arthur H., 1970, (mit Werkverz.)
– K. von Fischer, «Arthur H.», in Njbl. der Allg. Musikges. Zürich, 1978
– G. K. Spratt, The Music of Arthur H., 1987
NZZ, 7./8.3.1992
– H. Halbreich, Arthur H., un musicien dans la cité des hommes, 1992
– H. Halbreich, Arthur H., 1995

Autorin/Autor: Kurt von Fischer