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Salis, Meta von (Marschlins)

geboren 1.3.1855 (Barbara Margaretha) Schloss Marschlins (Gemeinde Landquart),gestorben 15.3.1929 Basel, ref., von Igis. Tochter des Ulysses Adalbert, Gutsbesitzers und Naturforschers, und der Ursula Margaretha geb. von S.-Maienfeld. Ledig. 1863 besuchte S. das Institut für höhere Töchter in Friedrichshafen und 1868-71 das Töchterinstitut in Rorschach. Nach der Schulzeit arbeitete sie als Erzieherin für versch. wohlhabende Fam. in Deutschland. Ab 1883 studierte sie an der Univ. Zürich Geschichte, Philosophie und Kunstgeschichte und promovierte 1887 über Kaiserin Agnes von Poitou. Ihr Antrag, 1885 ein Semester an der Univ. Basel bei Jacob Burckhardt zu studieren, wurde von den dortigen Universitätsbehörden abgelehnt. Nach Abschluss ihres Stud. wirkte S. als freie Journalistin, Vortragsrednerin und Schriftstellerin. In der "Züricher Post" vom 1.1.1887 veröffentlichte sie einen Artikel, in welchem sie, erstmalig in der dt. Schweiz, volle Gleichberechtigung der Schweizerinnen auch in Bezug auf das Stimm- und Wahlrecht forderte. 1892-93 erkämpfte sie auf publizist. Weg die jurist. Rehabilitierung der Frauenrechtlerin Caroline Farner, wurde vom unterlegenen Richter jedoch selbst vor Gericht gezogen und dann wegen Ehrverletzung verurteilt. 1904 verkaufte sie das renovationsbedürftige Schloss Marschlins und wanderte mit ihrer Freundin Hedwig Kym nach Capri aus. Mit ihr lebte sie auch nach deren Verheiratung 1910 in Basel weiterhin zusammen. Die Benachteiligung von Frauen verarbeitete S. auch literarisch in zahlreichen Romanen und Gedichtbänden, z.T. gemeinsam mit ihrer Lebenspartnerin. Über ihre Begegnungen mit Friedrich Nietzsche, den sie bereits 1884 persönlich kennengelernt hatte und bewunderte, veröffentlichte sie 1897 das erfolgreiche Buch "Philosphie und Edelmensch".

Trotz publizist. Einsatzes für die Emanzipation der Frau zählte sich S., als überzeugte Aristokratin und ausgeprägte Individualistin, nicht im engeren Sinne zur Frauenbewegung, der sie misstraute. Nach dem verlorenen Prozess 1894 zeigte sie sich zunehmend verbittert und zog sich ins Private zurück. Sie wandte sich von Gleichstellungsfragen ab und richtete ihr Hauptinteresse auf die Schriften des franz. Rassentheoretikers Joseph Arthur de Gobineau und auf jene anderer konservativer Denker. Rassist. und deutschnationales Denken nahmen bei ihr in den letzten Lebensjahren überhand.


Werke
Die Zukunft der Frau, 1886
Der Prozess Farner-Pfrunder ..., 2 Tl., 1893
Auserwählte Frauen unserer Zeit, 1900
Gemma, [1918]
Carl Ulysses von S.-Marschlins, 1923
Die unerwünschte Weiblichkeit, hg. von D. Stump, 1988
Literatur
– D. Stump, Sie töten uns, nicht unsere Ideen, 1986
– D. Roth, «Wer Rasse sagt, sagt Aristokratie», in BZGA 101, 2001, 243-280
– B. Klaas Meilier, Hochsaison in Sils-Maria, 2005

Autorin/Autor: Andrea Bollinger