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Heer, Anna

geboren 22.3.1863 Olten, gestorben 9.12.1918 Zürich, ref., von Märstetten. Tochter des Isaac, Schuhfabrikanten, und der Josephine geb. Klein. Ledig. H. verbrachte ihre Kindheit in Olten und zog 1879 nach Zürich, wo sie dank der Förderung durch ihren Pflegevater, Erziehungssekretär Johann Kaspar Grob, die Höhere Töchterschule besuchen konnte. 1881 immatrikulierte sie sich an der medizin. Fakultät der Univ. Zürich, legte 1888 das Staatsexamen ab und promovierte 1892. 1889 eröffnete sie in Zürich eine gynäkolog. Praxis und war als erste Frau in der Schweiz auch chirurgisch tätig. Ab 1893 bemühte sich H. um die Professionalisierung der Krankenpflege. 1896 stellte sie am 1. Kongress für Fraueninteressen in Genf ein Programm zur Verbesserung der Ausbildung von Krankenschwestern vor. Sie gewann die Unterstützung des Schweiz. Gemeinnützigen Frauenvereins, dessen Vorstand ihr das Präsidium der Krankenpflegekommission übertrug und sie mit der Planung einer Schule betraute. Die Pflegerinnenschule konnte 1901 mit dem angeschlossenen Frauenspital in Zürich eröffnet werden und unterstand von Anfang an der Leitung von Frauen. H. war bis an ihr Lebensende als Chefärztin des Frauenspitals und als Lehrerin an der Schule tätig. Gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin Ida Schneider, die Oberin der Pflegerinnenschule war, förderte sie die berufl. Organisation des Pflegepersonals. 1909 gründete sie den Krankenpflegeverband Zürich (in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz) und 1910 den Schweiz. Krankenpflegebund, den sie bis 1916 präsidierte. 1963 wurde H. in Anerkennung ihrer Verdienste mit einer Pro Patria Briefmarke geehrt.


Archive
– Gosteli-Stiftung, Worblaufen
Literatur
– A. von Segesser, Dr. med. Anna H., 1948
– S. Baumann Kurer, Die Gründung der Schweiz. Pflegerinnenschule mit Frauenspital in Zürich 1901 und ihre Chefärztin Anna H., 1991

Autorin/Autor: Regula Ludi