Reussbühl

Industrievorort und Pfarrei in der ehem. Gem. Littau (heute Gem. Luzern), auf einer Anhöhe über Reuss und Emme gelegen, bis ins 17. Jh. Lusbühl genannt. Fundamente eines Wehrturms, vermutlich aus dem 14. Jh. Die Kapelle in R. war ab 1649 als Marienkapelle bekannt, wurde im 18. Jh. dem hl. Philipp Neri geweiht und 1904 abgebrochen. R. war bis zur Bildung der eigenen Pfarrei 1893 (1899-1902 neurom. Pfarrkirche) nach Littau kirchgenössig. In R. führte die Baselstrasse über die Emme und die Siedlung beim Zollhaus trug als erste den Namen Emmenbrücke. Die 1574 erw. Fluhmühle gehörte dem St. Jakobsspital und war bis 1889 in Betrieb. Im 17. Jh. zogen Gewerbe und Arbeitskräfte in das Gebiet bei der Fluhmühle und die Vorstadtbildung setzte ein. Das Bad Rothen, das ab etwa 1580 bestand und 1846 in Konkurs ging, war geheimer Treffpunkt und 1843 erster Konferenzort des späteren Sonderbunds (1846-1989 Armenanstalt, 1990 abgerissen). Nach 1850 liessen sich entlang der Reuss Industriebetriebe nieder: Beim Zollhaus standen 1860-68 eine Ziegelfabrik und eine Baumwollspinnerei sowie 1868-99 eine Schappespinnerei und in Rothen ab 1840 eine Mühle, in der 1852-63 eine Parkettfabrik, 1863-87 eine Seiden- und Florettspinnerei, 1887-97 eine Schappespinnerei und ab 1897 die Möbel- und Parkettfabrik Zemp untergebracht waren. Die Holz verarbeitenden Betriebe produzierten für den Luzerner Hotelbau. Die Reussinsel, auf der sich eine Nagelfabrik und eine Ziegelei befanden, war der erste Standort der Firma Schindler. Mit 2'300 Einw. lebten 1888 fast 70% der Bevölkerung von Littau in R., das sich als Arbeits- und später v.a. Wohnort in die Industriezone Emmenbrücke integrierte. Seit 1866 verfügt R. über eine Schule, seit 1905 über eine Sekundarschule, zudem über ein Oberstufenzentrum und seit 1970 über eine Kantonsschule. Die Tramlinie nach Luzern wurde 1901-02 gebaut.


Literatur
– F. Gross, Dorfveränderungen, 1983
– U.-S. Troxler, Emmen 1900-1930, Liz. Zürich, [1992]
– P. Gross, R. - eine Pfarrei wächst, 1993
– P. Schnider, Fabrikindustrie zwischen Landwirtschaft und Tourismus, 1996, v.a. 200-205
Kdm LU NF 2, 2009, 286-297

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch