14/11/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Emmenbrücke

Agglomerationssiedlung in der Gem. Emmen LU, Amt Hochdorf, mit den Ortsteilen E., Gerliswil, Emmenweid und Emmenbaum. E. liegt nördlich der Mündung der Kleinen Emme in die Reuss. Das alte E., heute Reussbühl (Gem. Littau), lag südlich des Einflusses der Kleinen Emme in die Reuss bei dem früh zu einer Brücke ausgebauten Fahr, wo die Landstrasse Gotthard-Luzern-Basel und die Verbindung ins Seetal durchführte. 1236 wird eine Emmenbrücke (vermutlich die Torenbergbrücke, Gem. Littau) erwähnt, nach 1347 existierte längere Zeit nur ein Fahr (als Lehen). 1412, 1426, 1436, 1455 und 1570-71 wurde die Brücke am heutigen Standort durch die Stadt Luzern neu errichtet. Die letzte Holzbrücke wurde 1783-85 von Josef Ritter erbaut und 1902 abgetragen. In den Konflikten zwischen Stadt und Land (Heringskrieg 1570) und in den Freischarenzügen gewann sie an Bedeutung. Ab dem 14. Jh. bis 1848 war dort eine Zollstelle für Brücke, Fahr und Furten. Eine Taverne in Emmenbaum wird 1434 erstmals genannt. 1562-1798 befanden sich in E. Gerichtsstätte und Wasenplatz von Luzern.

Mit der industriellen Entwicklung verlagerte sich der Siedlungsschwerpunkt auf die Emmenweid. Dort befand sich 1837-41 eine Hammerschmiede, die durch eine Papierfabrik (1841-46) abgelöst wurde. Nach der Melioration der Kleinen Emme und mit der Ansiedlung des Hammer- und Walzwerks Von Moos 1850-53 und der franz.-schweiz. Société de la Viscose Suisse (Viscosuisse, heute SwissFlock) 1906 entstand hier ein bedeutendes Industriezentrum. Weitere Betriebe der Eisenverarbeitungs- und Elektronikindustrie kamen hinzu (1912 die Schindler-Tochter Giesserei E. AG), Druckereien (1932 Buchdruckerei E. AG) sowie in neuerer Zeit auch Firmen im Bereich Flugzeugbau, Bauelementproduktion, Handel und Grossmarkt. Um 1860-70 benannte man die 1856 eröffnete Bahnstation bei Emmenbaum E., während die Viscosuisse den Namen E. als Standortbezeichnung wählte. Damit wurde E. zum neuen Namen des Siedlungsraums um Emmenweid und Gerliswil (1888 700 Einw.), wobei Reussbühl wirtschaftlich in den Industriestandort E. eingegliedert wurde. 1856-60 war E. Endstation der Centralbahn, 1883-1904 der Seetalbahn und 1903 wurde eine Luzerner Tramlinie in das Industriegebiet hinausgeführt. Seit 1958 ist E. eigene Pfarrei.


Literatur
– E. Weibel, Gem. Emmen, 1953
– J. Graf, Emmen, 1958
– J. Manser, Richtstätte und Wasenplatz in E. (16.-19. Jh.), 1992
– P. Schnider, Fabrikindustrie zwischen Landwirtschaft und Tourismus, 1996
In Bewegung. Gesch. der Gem. Emmen, 2004

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch