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Vaulruz

Polit. Gem. FR, Bez. Greyerz, an der Strasse Bulle-Châtel-Saint-Denis gelegen, umfasst neben dem Hauptdorf auch mehrere Weiler. 1115 Valle Rodulphi, 1303 Vaulruz (Kopie). Dt. früher Thalbach, wobei Letzteres eine Übersetzung einer Volksethymologie zu sein scheint. 1355 85 Häuser; 1468 34; 1811 453 Einw.; 1850 496; 1900 721; 1950 799; 1970 647; 2000 875.

Aus der vor Ort gefundenen Bronzenadel kann nicht auf eine röm. Siedlung geschlossen werden. Der Name V. wird zum ersten Mal 1115 in einem Urbar, der "Pancarte de Rougemont", erwähnt. Die Herrschaft V. bildete sich allmählich aus und schloss schliesslich, neben V. die Dörfer oder Weiler Romanens, Sâles, Maules, Les Mollettes, Rueyres und Treyfayes ein. Im 13. Jh. gehörte sie den Herren von Billens, dann den de Blonay und Anfang des 14. Jh. Ludwig II. von Savoyen, Herr der Waadt, der die Bürger und Hintersassen von V. 1322 vom Todfall befreite und ihnen eine Handfeste nach dem Vorbild des Stadtrechts von Moudon gewährte. V. blieb aber wegen der Konkurrenz von Romont und Bulle stets eine "Kümmerstadt" und sank bald wieder zu einem Dorf herab. Mermet de Blonay und seine Frau behielten die Rechte des Viztums. 1359 kam V. zur Grafschaft Savoyen. 1387 erwarben Jacques und Antoine Champion aus Saint-Michel en Maurienne die Herrschaft. Die Witwe von François Champion verkaufte sie 1538 an die Stadt Freiburg. V. gehörte bis 1798 zur gleichnamigen Vogtei, dann bis 1848 zum Bez. Bulle. Die Pfarrei löste sich 1308 von Riaz. Die ursprüngl. Kirche Sainte-Marguerite lag unweit östlich des heutigen, 1819 eingeweihten Baus. V. wies auch die Wallfahrtskapellen Saint-Protais (1603 geweiht, heute geschlossen) und Notre-Dame de la Verguenaz (erste Anlage um 1880, heutiger Bau von 1965) auf. Das Schloss, Sitz der Vogtei, stammt wohl aus dem 13. Jh.; die massive quadrat. Anlage erscheint älter als der savoy. Schlosstyp mit runden Türmen (Bulle, Romont). Die Burg wurde von Ludwig II. von Savoyen stark verändert. 1561 und 1820 brannte V. z.T. nieder. Im 19. Jh. lebten die Bewohner mehrheitlich von Viehzucht und Obstanbau, einige arbeiteten auch in Sägereien, Sandsteinbrüchen und im Torfabbau. Das Gemeindegebiet wird von zwei Bahnlinien durchquert, im Norden von der Strecke Bulle-Romont (1868), im Süden von der Linie Bulle-Châtel-Saint-Denis (1903). Im weitgehend landwirtschaftlich geprägten Dorf entwickelten sich neue Wohnquartiere. Der Ort beherbergt einen Werkhof für den Unterhalt der Autobahn A12.


Literatur
– B. de Vevey, Châteaux et maisons fortes du canton de Fribourg, 1978, 305-309
GeschFR
– R. Flückiger, Ma. Gründungsstädte zwischen Freiburg und Greyerz, 1984, 116-131

Autorin/Autor: François Genoud / BE