• <b>Franz Schnyder</b><br>Plakat zur Uraufführung 1941, gestaltet von  Friedrich Trafelet (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste). Mitten im Zweiten Weltkrieg wurde Franz Schnyder von der Zürcher Produktionsgesellschaft Praesens Film AG beauftragt, einen Film über eine Romanze mit Schweizer Soldaten zu drehen. Die Handlung sollte sich während des Ersten Weltkriegs in der Ajoie zutragen. Die wahre Geschichte von Gilberte, der von Anne-Marie Blanc gespielten Wirtstochter vom Bahnhofsbuffet in Courgenay, wurde ein riesiger Erfolg. Der Film, dessen Patronat die Schweizerische Nationalspende für unsere Soldaten und ihre Familien übernahm, entwickelte sich zu einem Klassiker des patriotischen Schweizer Kinos.

No 8

Schnyder, Franz

geboren 5.3.1910 Burgdorf,gestorben 8.2.1993 Münsingen, ref., von Kriens und ab 1970 von Burgdorf. Sohn des Maximilian, Ingenieurs, und der Fanny Louise geb. Steiner. Zwillingsbruder des Felix ( -> 7). Ledig. Matura in Burgdorf, Ausbildung zum Regisseur und Schauspieler in Köln und Düsseldorf. 1932 erstes Engagement in Mainz, ab 1933 an Theatern in Breslau, Münster und St. Gallen, 1936 am Dt. Theater Berlin, 1938 an den Münchner Kammerspielen. Vor Kriegsausbruch Rückkehr in die Schweiz, 1939 Regievertrag am Schauspielhaus Zürich. 1941 gelang S. mit "Gilberte de Courgenay" für die Schweizer Produktionsgesellschaft Praesens Film ein erster Filmerfolg. Doch nach dem unpopulären "Wilder Urlaub" (1943) zum Thema Desertion wurde er nicht mehr weiter als Filmregisseur beschäftigt. Fortan arbeitete S. am Stadttheater Bern und 1944 als Schauspielleiter am Stadttheater Basel. 1954 kehrte er mit "Uli der Knecht" unter Beteiligung des Bundes zu Jeremias Gotthelfs hundertstem Todestag zum Film zurück, 1955 folgte "Heidi und Peter", der erste Schweizer Farbfilm, sowie im selben Jahr "Uli der Pächter", allesamt Kassenschlager. Dem ambitionierten "Der 10. Mai" (1957), einem frühen Versuch, die Geschichte der Schweiz im 2. Weltkrieg filmisch aufzuarbeiten, blieb der Publikumserfolg trotz sehr guten Kritiken versagt. Enttäuscht wandte sich S. erneut Gotthelf zu. In seiner eigenen Firma Neue Film AG entstanden bis 1964 fünf weitere Romanverfilmungen, die zwar beim Publikum Zuspruch fanden, von der Kritik aber zunehmend als antiquiert empfunden wurden. Verbittert und mit einem nie vollendeten Pestalozzi-Projekt beschäftigt, verfolgte er die seit 1964 mit Bundesgeldern subventionierten Produktionen des sog. jungen Schweizer Films. S. gehörte mit Leopold Lindtberg und Kurt Früh zu den bedeutendsten Regisseuren des sog. alten Schweizer Films. Seinen Lebensabend verbrachte er vereinsamt in der Psychiatr. Klinik Münsingen.

<b>Franz Schnyder</b><br>Plakat zur Uraufführung 1941, gestaltet von  Friedrich Trafelet (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/>Mitten im Zweiten Weltkrieg wurde Franz Schnyder von der Zürcher Produktionsgesellschaft Praesens Film AG beauftragt, einen Film über eine Romanze mit Schweizer Soldaten zu drehen. Die Handlung sollte sich während des Ersten Weltkriegs in der Ajoie zutragen. Die wahre Geschichte von Gilberte, der von Anne-Marie Blanc gespielten Wirtstochter vom Bahnhofsbuffet in Courgenay, wurde ein riesiger Erfolg. Der Film, dessen Patronat die Schweizerische Nationalspende für unsere Soldaten und ihre Familien übernahm, entwickelte sich zu einem Klassiker des patriotischen Schweizer Kinos.<BR/>
Plakat zur Uraufführung 1941, gestaltet von Friedrich Trafelet (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
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Literatur
– W. Wider, F. Aeppli, Der Schweizer Film 1929-1964, 2 Bde., 1981
– H. Dumont, Gesch. des Schweizer Films, 1987
TLS, 1626 f.
Der Bund, 5.3.2010

Autorin/Autor: Felix Aeppli