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Lansel, Peider

geboren 15.8.1863 Pisa, gestorben 8.12.1943 Genf, ref., von Sent. Sohn des Andri, Geschäftsmanns, und der Emilia geb. Steiner, von Lavin. ∞ Emma Corradini, Tochter des Jachen, von Sent. L. lebte grösstenteils in Italien und Genf und verbrachte den Sommer jeweils im Engadin. Seine ersten Schuljahre absolvierte er in Pisa, dann besuchte er die Schulen in Sent, Chur (Kantonsschule) und Frauenfeld (Handelsschule). Mit 16 Jahren trat er bei Verwandten in Arezzo (Toskana) in die Lehre ein. Das väterl. Geschäft, das er als 21-Jähriger übernommen hatte, verliess er 1906 wieder, um sich der Dichtung und der Pflege des rätorom. Kulturgutes zu widmen. 1926-34 arbeitete er wegen Todesfällen in der Fam. nochmals als Geschäftsmann und wirkte gleichzeitig als Schweizer Konsul in Livorno.

L. war ein unermüdl. Kämpfer für die Bewahrung der rätorom. Sprache und Kultur. In "Ni Italians, ni Tudais-chs, Rumantschs vulains restar" (1913 bzw. 1917, Weder Italiener noch Deutsche, Romanen wollen wir bleiben), einer Sammlung journalist. Arbeiten, wehrte er sich gegen die Vereinnahmung des Rätoromanischen als ital. Dialekt. Im Gedicht "Tamangur" (1923) verglich er das Schicksal der Rätoromanen mit dem gleichnamigen, damals bedrohten Arvenwald im Val S-charl. L. gilt als einer der grossen rätorom. Lyriker. Den rund 200 eigenen Gedichten stehen ebensoviele Übersetzungen gegenüber. Die Gedichte wurden u.a. in "Primulas" (1907), "La cullana d'ambras" (1912) und im umfassendsten Werk "Il vegl chalamêr" (1929) veröffentlicht. Von seiner Herausgebertätigkeit zeugen "La musa ladina" (1910), eine Anthologie von Werken von Engadiner Schriftstellern, und "La musa rumantscha" (postum 1950), eine Sammlung von Werken rätorom. Schriftsteller. Anlässlich seines 70. Geburtstags erhielt L. den Ehrendoktor der Univ. Zürich und anlässlich des 80. Geburtstags als erster Rätoromane den Grossen Schillerpreis.


Werke
Ouvras da Peider L., hg. von A. Peer, 1966
Literatur
– A. Peer, «Peider L.», in Bedeutende Bündner aus fünf Jahrhunderten 2, 1970, 365-375
– Bezzola, Litteratura

Autorin/Autor: Lucia Walther