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No 1

Borromini, Francesco

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geboren 27.9.1599 (Francesco Castelli) Bissone,gestorben 2.9.1667 (Freitod) in Rom, kath., von Bissone. Sohn des Architekten Giovan Domenico Castelli und der Anastasia Garvo. Ledig. B. wurde in der Praxis auf der Baustelle zum Architekten ausgebildet, wie es damals für die Künstler aus der Region des Luganersees typisch war. Er soll schon mit neun Jahren in Mailand gewesen sein und sich bei Erneuerungsarbeiten am Dom sichere techn. Fähigkeiten als Steinmetz angeeignet haben. Ab 1619 ist er in Rom für Arbeiten am Petersdom erwähnt. Die Lehre als Steinmetz absolvierte er bis 1629 unter der Führung von Carlo Maderno, einem entfernten Verwandten, der damals den Bau von St. Peter leitete. Mit ihm arbeitete B. zusammen beim Palazzo Barberini sowie bei den Kirchen S. Andrea della Valle und S. Paolo fuori le Mura. Nach dem Tod Madernos 1629 führte B. seine Tätigkeit unter Gian Lorenzo Bernini fort, seinem grossen Rivalen, zu dem er bis ans Ende seiner Karriere in einem konfliktträchtigen Verhältnis stand. Erst 1634 erhielt B. den ersten unabhängigen Auftrag: Der Trinitarierorden beauftragte ihn mit der Planung des Klosters S. Carlino alle Quattro Fontane. Trotz seiner sehr kleinen Dimensionen ist das Gebäude wegen der plast. Wirkung der wellenartig geschwungenen Wände und wegen der Kühnheit einiger Dekorationen eines der ungewöhnlichsten Werke der röm. Barockarchitektur. Dieses Werk ebnete B. den Weg zu zwar eher kleineren, aber stets zahlreicher werdenden Aufträgen religiöser Orden und röm. Bruderschaften. 1637 begann er mit dem Oratorium und dem Kloster S. Filippo Neri, mit den Arbeiten an den Palazzi Spada und Falconieri, 1642 mit dem Bau der Kirche S. Ivo alla Sapienza, deren aussergewöhnl. Kuppel in einer spiralförmigen Spitze endet. Die Freundschaft einer Persönlichkeit vom Range des Virgilio Spada, der, unmittelbar von B. inspiriert, das “Opus Architectonicum” verfasste, sicherte ihm die Unterstützung des Papstes Innozenz X. Dieser vertraute ihm 1647 den Umbau der Lateranbasilika an. 1652 begann B. das Collegio di Propaganda Fide, das er 14 Jahre später abschloss, und 1653-57 leitete er den Bau der Kirche S. Agnese an der Piazza Navona, die von Girolamo und Carlo Rainaldi begonnen worden war. In dieser Zeit verschärfte sich die persönl. Krise, die in den Ereignissen rund um den nicht fertig gestellten Bau von S. Andrea delle Fratte (1653-65) begann und sich verstärkte unter dem Eindruck, dass sein Gegenspieler Bernini unter Papst Alexander VII. wieder an Gunst gewonnen hatte. Die architekton. Ausrichtung von B. wird als typ. Ausdruck der röm. Barockkultur angesehen und gleichzeitig als ihre ausgefallenste und originellste Form, indem sie die Renaissancetradition überschreitet und got. Elemente mit manierist. Dekorationselementen kombiniert.


Literatur
Studi sul B., 1970-72
– P. Portoghesi, Francesco B., 1977
– J. Connors, B. e l'Oratorio romano, 1989 (engl. 1980)
– Francesco B., Opus Architectonicum, hg. von M. de Benedictis, 1993
AKL, 13, 114
Il giovane B., hg. von M. Kahn-Rossi, M. Franciolli, Ausstellungskat. Lugano, 1999

Autorin/Autor: Laura Damiani Cabrini / CN