Jaun

Polit. Gem. FR, Bez. Greyerz. Strassendorf am Jaunpass auf 1'027 m mit Im Fang (franz. La Villette), Kappelboden, Weibelsried, Zur Eich und zahlreichen Einzelhöfen. Einzige deutschsprachige Gem. des Bezirks. 1228 Balavarda, 1397 Youn, franz. Bellegarde. 1831 424 Einw.; 1850 547; 1880 877; 1900 825; 1930 751; 1950 851; 2000 694. J. gehörte den Herren von Corbières, wurde nach einer Erbteilung 1249 zur eigenen Herrschaft und kam 1285 unter die Oberhoheit Savoyens. 1407 zerstörten Truppen aus Saanen die Burg (im 13. Jh. erw.) der Herren von Corbières-J. 1475 ging J. einen Burgrechtsvertrag mit Freiburg ein, das 1502 von Jakob von Corbières und 1504 vom Gf. Johann I. von Greyerz je die Hälfte der Herrschaft erwarb. 1503-1798 war der Ort mit Teilen von Châtel-sur-Montsalvens Freiburger Vogtei. Die Siedlung Abländschen ging 1555 an Bern. J. verlor nach einem Aufstand 1635-36 Privilegien und die Allmenden an Freiburg. 1711 brannte der östl. Teil des Dorfs zum grössten Teil nieder. 1798 kam J. provisorisch und 1848 definitiv zum Bez. Greyerz. Die polit. Gem. besteht seit 1831, bis heute ohne Gütertrennung zwischen Pfarrei und Gemeinde. Kollatur- und Patronatsrecht an der 1228 erstmals erw. Pfarrei waren bis 1502 bei den Herren von Corbières und gingen dann an Freiburg über. Die im 14. Jh. erbaute Stephanskirche, 1910 durch einen Neubau ersetzt, dient heute als Begegnungsort für Volksmusik (Cantorama). Die seit dem frühen 16. Jh. erw. Mühle wurde in der 2. Hälfte des 19. Jh. nach der Aufgabe des Getreideanbaus stillgelegt. Zur selben Zeit fand auch der Abbau von Steinkohle und Salpeter ein Ende. Im späten 19. Jh. nahm das Holzverarbeitungsgewerbe, das noch immer zu den wichtigsten Arbeitgebern in J. zählt, einen Aufschwung. Seit 1912 erfolgt die Stromversorgung durch ein privates Wasserkraftwerk, das heute gut zwei Drittel der Nachfrage deckt. Der Tourismus ist seit Mitte des 20. Jh. Nebenerwerbsquelle. 2000 war knapp ein Viertel der in J. Beschäftigten im 1., rund ein Drittel im 3. Sektor tätig. Gut ein Drittel machten Wegpendler aus, der Anteil der Zupendler war verschwindend klein.


Literatur
– H. Müller, Regionalstudie J.-Abländschen, 1973
– B. de Vevey, «Chateaux et maisons fortes du canton de Fribourg», in ASHF 24, 1978, 198-200
J. im Greyerzerland, 1989

Autorin/Autor: Jean-François Steiert