Viamala

Schlucht des Hinterrheins zwischen Domleschg und Schams. 1219 Via mala (böser Weg), rätorom. Veias malas. Urgeschichtl. Funde in der Umgebung legen eine frühe Be- oder Umgehung der V. nahe, die das bedeutendste Hindernis an der Nordrampe des Splügenpasses und des San Bernardino bildete. Während die anfängl. Umgehung des V.-Kessels auf halber Höhe über Acla sut wahrscheinlich ist, scheint er von der spätröm. Zeit an mittels Halbgalerien und Stegen durchquert worden zu sein. Die früher postulierten Umgehungen auf über 2000 m Höhe gelten heute als unwahrscheinlich; der Wildbach Nolla dürfte auch nicht bei Thusis, sondern in Richtung Masein oder Urmein überquert worden sein. Der südl. Zugang erfolgte über Reischen. Der Friedensvertrag zwischen Schams und Chiavenna von 1219 garantierte die Sicherheit der ital. Kaufleute, die durch die V. zogen. Er nennt die Kapelle St. Ambriesch am südl. Ende der Schlucht. 1420 und 1692 wird ein rechtsrhein. Ausgang erwähnt, der an der Kapelle St. Albin und der Wehranlage Hohenrätien vorbei Sils im Domleschg erreicht. 1473 beschlossen Thusis, Masein, Cazis und Gf. Jörg von Werdenberg mit Hilfe von Schams, Rheinwald, Chiavenna und Misox "die richsstrass und den weg entzwüschend Tussis und Schams, So man nempt Fyamala zu howen, uffzuorichten und ze machen". Der V.-Brief bestätigte auch die Rechte der Porten, der lokalen Genossenschaften von Säumerbauern. Nach diesem Ausbau gehörten Splügen und San Bernardino zu den wichtigsten Alpenpässen. 1738/39 verlagerten zwei Brücken den Weg auf die rechte Seite des V.-Kessels. Die erste durchgehend befahrbare Strasse, die südlich von Thusis neu durchs "Verlorene Loch" führte, wurde 1818-23 angelegt. Die ab 1958 etappenweise gebaute A13 beschreibt eine neue Linienführung, die den V.-Kessel seit 1967 in einem Tunnel umgeht. Die 1903 erstellte Treppe ermöglicht den Abstieg in die durch Literatur und Film populär gewordene Schlucht.


Literatur
– C. Simonett, «Die V.», in BM 1954, 209-232, 425-428
– A. Planta, Verkehrswege im alten Rätien 4, 1990, 159-221

Autorin/Autor: Jürg Simonett