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Charmey

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Polit. Gem. FR, Bez. Greyerz, im Jaunbachtal. Die grösste Gem. des Kantons (7857 ha) umfasst C. (1211 Chalmeis, bis 1760 Feiguières, dt. früher Galmis), sechs Weiler und weitherum bekannte Alpen. 1811 609 Einw.; 1850 852; 1900 1'247; 1950 1'282; 2000 1'547. Gemäss der Pancarte (Urbar) des Priorats Rougemont war C. 1115 unbewohnt. Eine Pfarrei ist jedoch bereits 1228 nachgewiesen (Kirchenpatrozinium: Hl. Kreuz, ab 1735 hl. Laurentius). Durch Teilung der Herrschaft Corbières 1249 entstand die Mitherrschaft C., deren Herren in der Burg Sur la Roche (1736 En la Motte du château) wohnten. 1319 wurden die Einwohner von C. von der Vogtsteuer befreit, unterstanden aber noch bis 1650 dem Todfall. Der Zweig der Corbières von C. erlosch vor 1361. C. blieb aber ein militär. Verwaltungsbereich, in dem die Einwohner -- gegen das Zufluchtsrecht -- für den Unterhalt der Burg zu sorgen hatten. Deren letzte Mauerteile stürzten 1824 ein. 1454 ging C. an die Gf. von Greyerz, 1555 an Freiburg über, unter dem es zur Vogtei Corbières gehörte. Sein Widerstand gegen eine Kriegssteuer wurde 1614 von der Obrigkeit gebrochen.

C. liegt in einer Viehzuchtregion. Im 17. und 18. Jh. wurde der Weiler La Tzintre im Talboden zum wichtigen Sammelplatz für Vieh, das in den Alpgebieten des Pays-d'Enhaut und des Saanenlands gesömmert wurde. Der Aufschwung der Weidewirtschaft verhalf Unternehmen wie Pettolaz frères et neveux, das um 1780 über ein Kapital von 500'000 bis 600'000 Taler verfügte, durch den Export von Greyerzer Käse nach Lyon zu Reichtum; er beschleunigte aber auch den Erwerb von Grundbesitz durch Freiburger Patrizier, die um 1760 ca. 40% des nutzbaren Bodens besassen. Diese Entwicklung ging mit einer erhebl. zivilen und militär. Emigration, v.a. nach Frankreich, einher. Durch die Fertigstellung der Strasse von Bulle nach Boltigen über den Jaunpass 1881 wurde der Zugang nach C. erleichtert. Zur gleichen Zeit brach jedoch die Krise in der Korbflechterei aus, die vielen Heimarbeitern Verdienstmöglichkeiten geboten hatte (1880 20% der Erwerbstätigen, 1910 5%). Einem gewissen Radikalismus, den die Einwohner von C. in den eidg. Wahlen und Abstimmungen zum Ausdruck brachten, stand eine konservative Lokalpolitik, v.a. der Pächter der grossen franz. Grundbesitzer wie z.B. des Gf. von La Chesnais, gegenüber. 1920 war der Anteil der Beschäftigten im 2. Sektor (Holzindustrie, Schokoladenfabrik Broc) etwa gleich gross wie derjenige der im 1. Sektor Tätigen. Der Bau von Seilbahnen und Skiliften ab 1962 trug zur Entwicklung des Tourismus bei (2000 2'920 Betten). 1991 wurde ein Regionalmuseum eingeweiht.


Literatur
– A. Seydoux, La population charmeysanne de 1761 à 1875, Liz. Freiburg, 1969
– P.-P. Bugnard, La vie politique à C. en Gruyère dans la seconde moitié du XIXe siècle, Liz. Freiburg, 1976
– M. Perret, C., 1977, (21991)

Autorin/Autor: Pierre-Philippe Bugnard / KMG