10/10/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken

Habsburgisches Urbar

Als H. bezeichnet wird ein nach geogr. Gesichtspunkten geordnetes Verzeichnis der habsburg. Einkünfte aus Eigengütern, gerichtsherrl. Rechten, Kirchenpatronaten und Steuerrechten sowie eine Zusammenstellung der Ansprüche auf entfremdete und verpfändete Rechte in den habsburg. Vorlanden (Vorderösterreich). Nach österr. Vorbild (Rationarium Austriae, ca. 1287) und nach verschiedenen kyburg. und habsburg. Rödeln aus der 2. Hälfte des 13. Jh. wurde 1303-07 auf Betreiben Kg. Albrechts I. die habsburg. Finanzverwaltung in 66 ländl. und städt. Ämtern in Schwaben, im Elsass und im Gebiet der nachmaligen Schweiz im Zuge der Intensivierung der Territorialherrschaft umfassend inventarisiert. Die sehr detaillierte Aufnahme der Konzeptrödel erfolgte aufgrund eidl. Aussagen der Abgabepflichtigen vor Ort und der Auskünfte der Vögte. Die Angaben wurden in den sog. Ausfertigungsrödeln vereinheitlicht, z.T. evtl. durch den Vorsteher der Finanzverwaltung, Burkhard von Frick. Eine Reinschrift wurde 1330 erstellt. Nach der Eroberung des Aargaus 1415 wurde das H. -- wie das in Baden verwahrte habsburg. Archiv der Vorlande überhaupt -- in Luzern gelagert und weiter verteilt, so dass einzelne Teile verloren gegangen sein dürften, besonders solche zu Innerschweizer Gebieten. Die nicht eidg. Gebiete betreffenden Abschnitte wurden erst nach Abschluss der Ewigen Richtung 1474 an die Hzg. von Österreich ausgeliefert. Das H., eines der frühesten landesherrl. Herrschaftsinstrumente dieser Art im Reich, ist eine wichtige Quelle für verfassungs-, sozial- und wirtschaftsgeschichtl. Fragestellungen.


Quellen
Das H., hg. von R. Maag, 2 Bde., 1894-1904, (Beschreibung, Gesch. und Bedeutung von P. Schweizer und W. Glättli in Bd. 2, Tl. 2)
Literatur
– G. Partsch, Die Steuern des Habsburger Urbars, 1946
– F. Quarthal, «Residenz, Verwaltung und Territorialbildung in den westl. Herrschaftsgebieten der Habsburger während des SpätMA», in Die Eidgenossen und ihre Nachbarn im Dt. Reich des MA, hg. von P. Rück, 1991, 61-85

Autorin/Autor: Franziska Hälg-Steffen