01/10/2014 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Alemannenrechte

Die A. sind in zwei Redaktionen überliefert: Im älteren, in einem einzigen Text des 9./10. Jh. fragmentarisch erhaltenen Pactus Alamannorum aus dem 1. Drittel des 7. Jh., der den Busskatalog wiedergibt, sowie in der jüngeren, als Gesamtaufzeichnung in ca. 50 Handschriften überlieferten Lex Alamannorum aus der Zeit um 727/730 mit ihren drei Teilen: Kirchensachen (v.a. Bildung und Erhaltung von Kirchenvermögen), Herzogssachen (herrschaftl. Strukturen und deren Sicherung) und Volkssachen (Busskatalog). In letzterem widerspiegelt sich v.a. eine rechtsständ. Sozialordnung in Freie -- mit weiteren Differenzierungen --, Halbfreie und Unfreie.

Die A. weisen eine enge Textverwandtschaft mit anderen Germanischen Stammesrechten auf. In ihnen manifestiert sich ebenso sehr der legislator. Anspruch der weltl. Herrschaft wie der friedensstiftende Wille des Imperium Christianum in den Nachfolgestaaten des Röm. Reichs, welche in der sich zunehmend verdichtenden Gesellschaft (Alemannen) bemüht waren, die archaischen Rache- und Fehdegewohnheiten durch Sühnevermittlung und Sühnegebot einzudämmen (Abgeltung von Verletzungen durch Geldzahlungen, v.a. an den Verletzten bzw. dessen Sippe, normiert in Busskatalogen). Die A. sind zudem eingebettet in die Geschichte des Frankenreichs, welches eine gewisse, wenn auch nur relative Einheit in den Ordnungsvorstellungen der sich entwickelnden kontinentaleurop. Rechtskultur hervorbrachte. Diese waren indessen weitaus mehr Plan als hist. Wirklichkeit, und mit dem Ausgang der frühmittelalterlichen fränk. Epoche verschwanden viele in diesen Stammesrechten zum Ausdruck gebrachten Vorstellungen -- v.a. auch diejenigen einer mehr privatistisch gedachten Sicherung von Leib und Leben vor mögl. Verletzungen -- um dann später einer hoheitl.-strafrechtl. Garantie derselben in kleinräumigeren Territorien Platz zu machen.


Quellen
Lex Alamannorum, Faksimile, Text mit Übers. und Kommentar, bearb. von C. Schott, 31997, (mit Lit.)
Literatur
HRG 2, 1879-1886
LexMA 5, 1927 f., (mit Qu. und Lit.)

Autorin/Autor: Claudio Soliva