26/08/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken

Broc

Dieser Artikel wurde für die Buchausgabe des HLS mit einem Bild illustriert. Bestellen Sie das HLS bei unserem Verlag.

Polit. Gem. FR, Bez. Greyerz. Dorf an der über den Jaunpass führenden Landstrasse Bulle-Boltigen. 1115 Broc, Broch, dt. früher Bruck. Sitz der ehem. Herrschaft Montsalvens. 1811 364 Einw.; 1850 406; 1888 438; 1900 628; 1920 2'163; 1950 1'552; 2000 2'068.

Älteste Siedlungsspuren stammen aus der mittleren Bronzezeit, bedeutende Grabbeigaben aus der Latènezeit. Das Château d'en-Bas (12. Jh., im 16. Jh. wieder aufgebaut) in der Nähe der alten Brücke (1580) war ursprünglich Stammsitz der 1340 erloschenen Adelsfam. von B., vielleicht eines Zweigs der Gf. von Greyerz. Im 14. Jh. ging B. in den Besitz der de Montsalvens über. Die Kastlanei wurde 1555 Freiburg angegliedert und darauf der Vogtei Greyerz angeschlossen. Die auf das 10. Jh. zurückgehende Pfarrei B. umfasste das rechte Saaneufer und das Jauntal und ist seit 1871 auf das Gebiet der heutigen Gemeinde beschränkt. Das schon 1228 erw. Benediktinerpriorat unterstand dem Priorat Lutry und wurde 1577 dem Kapitel St. Nikolaus in Freiburg unterstellt. Nach dem Brand der alten Kirche Saint-Blaise diente die Prioratskirche Saint-Othmar bis zur Errichtung einer neuen Dorfkirche 1877 als Pfarrkirche. Die 1636 erwähnte, 1705 neu aufgebaute Kapelle Notre-Dame des Marches war ein viel besuchter Wallfahrtsort.

Das erste Dorfrecht datiert von 1515. 1745 machte die Allmend 26,5% des Territoriums und 51% der nutzbaren Fläche aus. Die Errichtung der Schokoladefabrik Cailler (1898) wurde begrüsst, da man sich davon einen besseren Absatz für die dank der Viehzuchterfolge gestiegene Milcherzeugung versprach. Ausserdem hoffte man, der infolge der Krise in der Strohflechterei entstandenen Arbeitslosigkeit begegnen zu können. 1898 waren 76 Arbeiter für Cailler tätig; 1901 630; 1910 1'250; 1930 1'796; 1946 473; 1960 680; 1988 880. 1912 entstand die Bahnlinie B.-Bulle. 1966 erfolgte eine Flurbereinigung. Zwei Möbelwerke (1948, 1969), eine Fabrik für Plastikspritzguss (1949), ein Bauunternehmen (1959) und eine Schreinerei (1968) siedelten sich in B. an. 1990 waren knapp 3% der 1'223 in B. Erwerbstätigen im 1. Sektor, 72% im 2. Sektor beschäftigt, der Zupendleranteil betrug 62%. Trotz des grossen Arbeiteranteils blieb B. vom Erscheinungsbild und der Mentalität her ein Dorf. Nach einer Zeit des steten Wechsels zwischen Konservativen und Radikalen wurden die polit. Geschicke der Gemeinde 1903-62 vom Freisinn bestimmt, der seither die Macht mit Christ- und Sozialdemokraten teilen muss.


Literatur
– N. Morard, «Les registres de la paroisse de B.», in Ann.frib. 46, 1964, 17-31
– B. de Vevey, Châteaux et maisons fortes du canton de Fribourg, 1978, 52-56
HS III/1, 441-451
– P.-P. Bugnard, B., village de Gruyère, 1987
– M. Jordan, L'incendie de B. 28 juillet 1890, 1990

Autorin/Autor: Marianne Rolle / EB