27/10/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Malplaquet, Schlacht von

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Die Schlacht von M. (15 km südlich von Mons und 50 km westlich von Charleroi in den span. Niederlanden), in der am 11.9.1709 die engl.-holländ. und kaiserl. Truppen den französischen gegenüberstanden, führte die Entscheidung im Spanischen Erbfolgekrieg (1702-14) herbei. Am 9. September hatte die rund 65'000 Mann starke franz. Armee unter dem Kommando von Marschall Claude-Louis-Hector de Villars in einem hügeligen und bewaldeten Gelände Stellung bezogen, von wo sie das Schlachtfeld nicht vollständig überblicken konnte. Die Truppen der Verbündeten unter den Befehlshabern Hzg. John Churchill von Marlborough und Prinz Eugen zählten etwa 90'000 Mann. In Anbetracht des Kräfteverhältnisses und der Bedeutung, die dem Ausgang der Schlacht für die territoriale Integrität Frankreichs zukam, entschieden sich Villars und dessen Berater Marschall Louis-François de Boufflers für eine defensive Strategie: Sie liessen drei hintereinanderliegende Schanzen mit Durchgängen für die Gegenangriffe der Reiterei errichten. Die Flügel waren durch Wälder geschützt und wurden mit Verhauen verstärkt.

Die europ. Schlacht von M. spielt auch in der Schweizer Geschichte eine wichtige Rolle. Schweiz. Kontingente befanden sich nämlich in beiden Lagern: auf franz. Seite zwei Bataillone der Schweizergarden (die Kompanien Chandieu, Zurlauben, Pfyffer, Machet, Stuppa, Salis) sowie die Regimenter Brändle (Brendlé), Villars-Chandieu, Greder und May; auf holländ. Seite die Regimenter Chambrier, Schmid von Grüneck, Hirzel, May, Stürler und Mestral. Beide Regimenter May waren in bern. Besitz: Gabriel von May stand im Dienste Hollands, Hans Rudolf von May diente Frankreich. Ein Teil der Schweizergarden und das Gros der Schweizerregimenter standen im Zentrum der franz. Stellung, acht Schweizerbataillone befanden sich am rechten Flügel in Reserve und auch am linken Flügel kamen Schweizer zum Einsatz.

Der erste Angriff der Verbündeten, durchgeführt am Morgen des 11. September von dreissig Bataillonen der holländ. Streitkräfte, darunter acht schweizerischen, richtete sich gegen den rechten Flügel der Franzosen. Die acht Schweizer Bataillone im Dienste Frankreichs starteten einen Gegenangriff und stabilisierten die Lage. Dabei kämpften die Männer der Regimenter May und Brändle auf franz. Seite gegen ihre Landsleute in den Regimentern May und Stürler auf holländ. Seite. Gegen Mittag führte Marlborough einen Überraschungsangriff auf das Zentrum von Villars' Stellung durch. In dieser zweiten Phase der Schlacht griffen die Schweizer Bataillone praktisch nicht ein. Möglicherweise wurden sie nach den Bruderkämpfen vom Morgen nicht eingesetzt, weil die Militärkapitulationen es im Prinzip untersagten, Schweizer gegen ihre Landsleute kämpfen zu lassen. Boufflers, der den verletzten Villars ersetzte, gelang es nicht, die feindl. Front zu durchbrechen, weshalb er den Rückzug befahl. Dieser wurde von den Schweizern gedeckt und verlief geordnet.

Die Schlacht von M. hatte Frankreich vor einer feindl. Invasion bewahrt, jedoch hohe Verluste gefordert: Im Verlauf des achtstündigen Gefechts - der Ausgang der Schlacht blieb lange Zeit offen - verloren die Franzosen schätzungsweise 11'000 Mann (davon 4'500 Tote), die Verbündeten ca. 21'000 (davon 6'500 Tote), wobei ein Drittel der Verletzten später ebenfalls starb. Die Schweizer erlitten gesamthaft einen Verlust von nahezu 8'000 Mann. Die für Frankreich kämpfenden Regimenter May und Brändle verloren allein 1'800 Mann, jene von May und Stürler im Dienst der Vereinigten Niederlande 2'000 (600 bzw. 1'400). Die Verluste der Regimenter Schmidt und Mestral beliefen sich auf 500 bzw. 600 Mann.

Die Reaktionen in der Eidgenossenschaft waren heftig, und in der Tagsatzung kam es zum Streit zwischen Befürwortern und Gegnern der fremden Dienste. Im In- wie im Ausland wurde der Einsatz von Schweizerregimentern auf dem Schlachtfeld im Dienst verfeindeter Lager als Schande betrachtet. Die Tagsatzung ergriff Massnahmen, um eine ähnl. Situation zu verhindern. Bis zur Schlacht von Baylen 1808 kämpften Schweizer nicht mehr gegeneinander.


Literatur
– P. de Vallière, Honneur et Fidélité, 21940, 400-405
– A. Corvisier, La bataille de M., 1709, 1997

Autorin/Autor: Hervé de Weck / AHB