08/01/2013 | Rückmeldung | PDF | drucken

Spanischer Erbfolgekrieg

Der Konflikt um das Reich des letzten span. Habsburgers, das sich auf die iber. Halbinsel, Kontinentaleuropa und nach Übersee erstreckte, führte 1701-14 zu einem ersten transatlant. "Weltkrieg". Er brach aus, weil Karl II. von Spanien (gestorben 1700) in seinem zweiten Testament den Enkel Ludwigs XIV. von Frankreich, Philipp von Anjou (später Pilipp V.), zum Alleinerben erklärte. Ks. Leopold I. (Sekundogenitur für zweiten Sohn Karl) und das Reich sowie die Seemächte England und die Generalstaaten traten in der Haager Allianz vom 7.9.1701 einer neuen Universalmonarchie der franz. Bourbonen entgegen. Der Allianz schlossen sich später auch Preussen, Portugal und Savoyen an. Während die Stimmung der kath. Orte den Bourbonen, diejenige der ref. Städte den Alliierten zuneigte und Schweizer Soldtruppen in beiden Lagern zum Einsatz kamen (ca. 20'000 für die Allianz und 23'000 für Frankreich), erklärte die Eidgenossenschaft am 22.7.1701 wie in früheren europ. Kriegen ihre Neutralität, die von Frankreich und vom Kaiser anerkannt wurde, und bot aufgrund des Defensionales von 1668 Grenztruppen auf. Die einvernehml. Neutralisierung von Nachbargebiet gelang hingegen dauerhaft nur für die österr. Waldstädte am Hochrhein durch zwei eidg. Regimenter. Die kath. Orte erneuerten 1705 das mit Spanien bestehende Mailänder Kapitulat mit dem bourbon. Thronanwärter Philipp V. Nachdem der Kaiser aber in der Schlacht von Turin 1706 die Franzosen aus Italien vertrieben hatte, verhängte er über die kath. Orte ein Handelsembargo. Im Erbstreit um das Fürstentum Neuenburg siegte 1707 mit Hilfe Berns und des Waadtländer Diplomaten François-Louis de Pesmes de Saint-Saphorin der preuss. König gegen diverse franz. Prätendenten, sodass an der Juragrenze eine neutrale "Vormauer" entstand. Die schwerste Verletzung der Schweizer Neutralität geschah 1709, als das kaiserl. Reiterkorps des Generals Claudius Florimund Mercy links des Rheins die Stadt Basel umging und ins Elsass einfiel. Im selben Jahr nahm der S. mit der Schlacht von Malplaquet eine entscheidende Wende zugunsten der Alliierten. Im Schatten der Verhandlungen für den Frieden von Utrecht, aber noch vor Ende des Kriegs, lösten Zürich und Bern 1712 den Zweiten Villmergerkrieg gegen die Fürstabtei St. Gallen und die inneren Orte aus. Den im Frieden von Aarau vom 11.8.1712 von den ref. Siegern diktierten Veränderungen in der Eidgenossenschaft drohte zwei Jahre später die Restauration der Vorkriegsverhältnisse durch die kath. Vormächte Kaiser und Frankreich: Diese besiegelten im Frieden von Baden vom 7.9.1714 die Teilung des span. Erbes, wagten aber keine konzertierte Intervention gegen die ref. Orte.


Literatur
– R. Feller, Die Schweiz und das Ausland im span. Erbfolgekrieg, 1912
– Bonjour, Neutralität 1
– J. Holenstein, Eidg. Politik am Ende des Span. Erbfolgekrieges, 1975
HbSG 2, 684-687

Autorin/Autor: Rolf Stücheli