18/06/2015 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Arbedo, Schlacht bei

Mit der Schlacht bei A. kam 1422 die eidg. Expansion südl. des Alpenhauptkamms für einige Jahrzehnte zum Stillstand (Ennetbirgische Feldzüge). Der Hzg. von Mailand, Filippo Maria Visconti, wollte sein Herzogtum wiederherstellen und bot den Urnern und Obwaldnern den Rückkauf von Stadt und Festung Bellinzona an, die sie 1419 von den Herren von Sax erworben hatten und die ihre jüngsten Eroberungen (Leventina, Blenio, Riviera) schützten. Sie lehnten das Angebot ab, und der Hzg. sandte im April 1422 ein Heer unter dem Condottiere Francesco di Carmagnola, aus. Dieser besetzte innert weniger Tage Bellinzona, die Riviera, das Bleniotal und die Leventina bis zum Engpass am Monte Piottino. Die daraufhin ausgerückten Urner und ihre Verbündeten -- Leventiner, Nidwaldner, Luzerner und Zuger, insgesamt 2'500 Mann -- belagerten erfolglos Bellinzona und zogen sich dann etwas talaufwärts nach A. zurück, um dort auf Verstärkung aus Schwyz, Glarus und Zürich zu warten. Die Truppe war wenig diszipliniert, Mannschaften entfernten sich und plünderten im Misox. Carmagnola zog insgeheim eilends 16'000 Mann zusammen, wovon 5'000 Reiter, und griff im Morgengrauen des 30.6.1422 überraschend das Lager der Eidgenossen an. Ein heftiger Kampf entbrannte, und angesichts der feindl. Übermacht zogen sich die Eidgenossen an den Abhang des Monte Arbino zurück. Wohl durch die zurückkehrenden Plünderer verstärkt, gelang es ihnen, die feindl. Front zu durchbrechen, über die Moesa zu setzen und den Rückzug talaufwärts anzutreten. Die Verluste waren schwer: mehrere hundert Tote auf beiden Seiten. Uri und Obwalden mussten auf ihre Eroberungen südl. des Monte Piottino verzichten. Der Friedensvertrag von 1426, das erste Mailänder Kapitulat, stellte aber wenigstens die Anfang des 15. Jh. erlangten Zollfreiheiten wieder her. Die Niederlage bei A. entzweite die Eidgenossen tief, sowohl die unmittelbar Beteiligten, wie auch diejenigen, die sich ferngehalten hatten (Bern) oder nur den Bündnisbestimmungen gefolgt waren, indem sie Verstärkung schickten, die übrigens zu spät eintraf (Zürich).


Literatur
HbSG, 285, 288, 290-292
– G. Vismara et al., Ticino medievale, 1990, 210-215
Il Medioevo nelle carte, hg. von G. Chiesi, 1991, 190-204
– Stadler, Uri 1, 342-354

Autorin/Autor: Alain François Berlincourt / AA