Dijonerzug

Mit dem erfolgreichen Heereszug auf Dijon von 1513, dem sog. D., konnte die Eidgenossenschaft ein letztes Mal und so bestimmend wie nie zuvor im Konzert der europ. Grossmächte mitspielen. Kurz zuvor hatten die Eidgenossen im Pavierzug (1512) und in der Schlacht bei Novara (1513) dem franz. Kg. Ludwig XII. das Herzogtum Mailand entrissen. Als Kg. Heinrich VIII. von England und Ks. Maximilian I. bei Guinegatte (Pas-de-Calais) ein franz. Heer schlugen (1513), nutzten die Eidgenossen die Schwächung des Gegners und begannen am 7.9.1513 - unterstützt durch den Stellvertreter des Kaisers, Hzg. Ulrich von Württemberg - mit der Belagerung Dijons. Nach wenigen Tagen musste Statthalter Louis de la Trémoille kapitulieren, weil die mit einer schwachen Besatzung versehene Stadt einem Artillerieangriff nicht hätte standhalten können. Im Friedensvertrag wurden alle eidg. Forderungen erfüllt: der Verzicht Frankreichs auf Mailand und die Städte und Herrschaften Cremona und Asti sowie eine finanzielle Kriegsentschädigung von 400'000 Kronen. Nachdem sich jedoch die uneinigen und undisziplinierten eidg. Truppen vorzeitig zurückgezogen hatten, brach Kg. Ludwig XII. den Vertrag, worauf die Auseinandersetzungen erneut entbrannten. Nach der Niederlage in der Schlacht von Marignano (1515) und dem Ewigen Frieden (1516) musste die Eidgenossenschaft aber ihre Grossmachtambitionen aufgeben.


Literatur
– E. Gagliardi, Novara und Dijon, 1907
– W.A. Weary, Royal Policy and Patronage in Renaissance France, 1972
– C. Bonorand, Vadian und die Ereignisse in Italien im ersten Drittel des 16. Jh., 1985
Histoire de Dijon, hg. von P. Gras, 1987
– H. Wiesflecker, Maximilian I. Die Fundamente des habsburg. Weltreichs, 1991

Autorin/Autor: Thomas Schibler