10/06/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken

Basel, Frieden von (1499)

Der Frieden von B. beendete den Schwabenkrieg. Nach Vorverhandlungen in Schaffhausen und einem Waffenstillstand am 25.8.1499 wurde er am 22.9.1499 - unter Vermittlung des mailänd. Hzg. Ludovico Sforza und seines Gesandten Galeazzo Visconti - zwischen Kg. Maximilian I. und dem Schwäbischen Bund einerseits, dem Bf. Heinrich von Chur, den Eidgenossen und den Drei Bünden andererseits geschlossen. Auf den ersten Blick stellte der Vertrag bloss die Verhältnisse vor Kriegsbeginn wieder her, mit Ausnahme von zwei Artikeln, die herrschaftl. Rechte betrafen: Maximilian I. behielt die acht Gerichte im Prättigau, während den Eidgenossen nachträglich, im Okt. 1499, das Landgericht im Thurgau, das der Stadt Konstanz gehört hatte, zugesprochen wurde. Die eigentl. Gründe, die zum Schwabenkrieg geführt hatten, nämlich die Verordnung des Gemeinen Pfennigs und die Einrichtung des Reichskammergerichts am Wormser Reichstag von 1495, sind im Friedensvertrag nicht erwähnt. Maximilian I. sollte bloss alle "vechden, ungnad, acht, processen und beswärungen" aufheben und in Zukunft die Bf. von Konstanz oder B. sowie den Rat von B. als Schiedsrichter bei Streitfällen anrufen; das Gleiche galt für den Schwäb. Bund. Das Reichskammergericht als oberste Gerichtsinstanz fiel damit ausser Betracht, ohne dass dies aber ausdrücklich erw. wurde. Obwohl weder die Wormser Beschlüsse von 1495 noch die Weigerung der Eidgenossen, diesen nachzukommen, erw. sind, sah die ältere schweiz. Historiografie im Frieden von B. einen Wendepunkt im Verhältnis zwischen Eidgenossenschaft und Reich; nach Wilhelm Oechsli wurde damals die "Unabhängigkeit der Schweiz von Seiten Deutschlands" (1890) anerkannt. Diese Meinung gilt heute als widerlegt. Die Berichte des Gesandten Solothurns von den Verhandlungen in B. zeigen vielmehr, dass die Eidgenossen wünschten, "gnedeclich wider zum Rich" gelassen zu werden. Bis ins 17. Jh. hielten die eidg. Orte an ihrer Zugehörigkeit zum Reich fest und waren z.B. bereit, für die Türkenkriege Truppen zu stellen oder Geld für den gleichen Zweck zu bezahlen. Die Konflikte mit dem Haus Österreich und der eidg. Widerstand gegen eine wachsende "Verdichtung" der "offenen" Reichsverfassung (Peter Moraw) schmälerten in der Eidgenossenschaft noch bis weit in die Frühneuzeit nicht das Ansehen des Reichs als oberster Schutzmacht der Christenheit.


Literatur
– H. Sigrist, «Zur Interpretation des Basler Friedens von 1499», in Schweiz. Beitr. zur Allg. Gesch. 7, 1949, 153-155
– K. Mommsen, Eidgenossen, Kaiser und Reich, 1958, 11-16
HbSG, 345-347, 367
– P. Moraw, «Reich, König und Eidgenossen im späten MA», in JHGL 4, 1986, 15-33
1495 - Kaiser, Reich, Reformen, Ausstellungskat. Koblenz, 1995

Autorin/Autor: Claudius Sieber-Lehmann