23/09/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken

Panixerpass

2407 m hoher Übergang von Elm im Glarner Sernftal nach Pigniu (dt. Panix) im bündner. Vorderrheintal, der den Glarnern für den Vieh- und Warenhandel nach Ilanz, Valserberg, Rheinwald, Chiavenna sowie Como oder über den Lukmanier nach Lugano diente. Die Passhöhe wird im Habsburger Urbar (1303-07) als Grenzpunkt der Grafschaft Laax (unz uffen Wepeh) erwähnt; der rätorom. Name Veptga soll spätgall. Ursprungs sein und Alpweide bedeuten. Der Frieden zwischen Glarus und dem Kloster Disentis von 1343 bezeugt einen häufig mit Pferden benutzten Saumweg über den P. Die Walenbrugg auf der Alp Wichlen hinter Elm ist 1344 als Jätzsteg belegt und seit 1549 als steinerne Bogenbrücke bekannt. Der ausdrückl. Einschluss der Rheinwaldner in das Bündnis des Grauen Bundes mit Glarus 1400 unterstreicht die Bedeutung dieses Nord-Süd-Weges. 1448 forderte Winterthur Glarus auf, seine Handelsleute vor Belästungen seitens der Elmer zu schützen. Die Gerichte Disentis und Waltensburg ermunterten 1548 die Glarner, ihr Wegstück zu verbessern; Glarus baute darauf 1550 den Passweg aus, versah ihn mit hohen Stangen zur Sicherung der Spur nach Schneefall und erstellte neue Susten.

1561 ersuchte Glarus den Grauen Bund, für besseren Unterhalt des Passes auf seiner Seite zu sorgen. 1567 beschlossen Glarus und der Graue Bund, ein Weggeld von fremden Kaufleuten zu verlangen. Nach Ulrich Campell badeten Mitte des 16. Jh. viele Leute in einer eiskalten Quelle auf der Bündner Seite des Übergangs, um von ihren Gebrechen geheilt zu werden. Im 17. Jh. benutzten Söldner, Flüchtlinge und Korntransporte den Pass. 1771 scheiterte ein Projekt, das einen Ausbau mit internat. Beteiligung vorgesehen hätte. Gemäss einem Reisebericht von 1774 dauerte der Viehtrieb von Elm über den P. und Lukmanier nach Bellinzona sieben Tage; u.a. war Lugano für den Welschlandhandel ein wichtiger Markt. Am 6. und 7.10.1799 überquerte der russ. General Alexander Suworow mit seiner Armee den Pass, dabei erlitt er infolge Schnee und Kälte grosse Verluste an Menschen und Material. Ab dem 19. Jh. nahm der Verkehr über P. immer mehr ab. Heute wird er lediglich vom Militär sowie von Alpinisten frequentiert.


Archive
– GemA Pigniu
Literatur
– W. Fromm, Chronik der Gem. Elm, 1985
– E. Blumer, Landesfusswege, 1990

Autorin/Autor: Martin Bundi