• <b>Lötschenpass</b><br>Ansicht der neuen, gepflästerten Strasse auf der Berner Seite des Passes. Aquarellierte Zeichnung, um 1698 (Staatsarchiv Bern, Wallis-Buch F, 228). Der alte Weg verlief rechter Hand des Gletschers und überquerte diesen auf mittlerer Höhe. Der 1696–1697 von den Bernern gebaute Saumpfad führte im Zickzack an der linken Flanke des Gletschers empor und dann weiter über die Moräne. Jede Spitzkehre wurde mit einer Stützmauer versehen.

Lötschenpass

Der L. (2690 m) führt zwischen Balmhorn und Hockenhorn über den nördl. Hauptkamm der Alpen und verbindet Kandersteg im bern. Kandertal mit Ferden im Walliser Lötschental. Auf der Südseite ist der Pass leicht begehbar, auf der Nordseite verändern sich die Wegverhältnisse je nach dem Gletscherstand. Drei 1944 aufgefundene Pfeilbogen aus der Zeit von 2460 bis 1690 v.Chr. belegen, dass der Pass bereits von der späten Jungsteinzeit bis zur beginnenden Bronzezeit benutzt worden ist. Die damalige Bedeutung des L.es und weiterer hoch gelegener Pässe wird durch die seit dem Hitzesommer 2003 am Schnidejoch westlich des Rawilpasses aufgefundenen Objekte unterstrichen. Im 8./9. Jh. erreichten die von Norden einwandernden Alemannen vermutlich über den L. und die Gemmi das Mittelwallis. In umgekehrter Richtung bauten die Herren vom Turn zu Niedergesteln im 13. und 14. Jh. bis nach Mülenen-Aeschi eine zusammenhängende Passherrschaft auf, zudem kolonisierten sie das Lauterbrunnental mit Untertanen aus dem Lötschental. Ihre Herrschaft konnte sich zwischen Bern und den Zenden des Oberwallis nicht halten. Da der Pass die kürzeste Verbindung von Bern Richtung Simplon darstellte, planten Bern und der Bf. von Sitten zur Zeit der Mailänderzüge einen Ausbau des Weges (1520). Ob der Plan realisiert wurde, ist unsicher. Jedenfalls entwickelte sich danach kein grosser Transithandel, der Übergang diente neben dem Lokalverkehr v.a. dem Viehexport. Die sog. Kleine Eiszeit liess vom 16. Jh. an die Benutzung des Weges gefährlich werden. Daher veranlassten die Bernburger Ulrich Thormann und Abraham von Graffenried 1696-97 den Bau einer gepflästerten Strasse auf der Ostseite des Gletschers. Die Walliser verweigerten jedoch aus konfessionellen Gründen und unter dem Druck der Gotthardkantone die Fortsetzung des Wegbaus. Der an sich geringe Verkehr verlagerte sich daher nach 1741 auf die neu erstellte Gemmiroute. Mit dem Bau des Lötschbergtunnels (1906-13) wurden das Aare- und das Rhonetal erst spät direkt verbunden. Eine Verbesserung der Verkehrsbeziehungen brachte der 2007 eröffnete Lötschberg-Basistunnel.

<b>Lötschenpass</b><br>Ansicht der neuen, gepflästerten Strasse auf der Berner Seite des Passes. Aquarellierte Zeichnung, um 1698 (Staatsarchiv Bern, Wallis-Buch F, 228).<BR/>Der alte Weg verlief rechter Hand des Gletschers und überquerte diesen auf mittlerer Höhe. Der 1696–1697 von den Bernern gebaute Saumpfad führte im Zickzack an der linken Flanke des Gletschers empor und dann weiter über die Moräne. Jede Spitzkehre wurde mit einer Stützmauer versehen.<BR/>
Ansicht der neuen, gepflästerten Strasse auf der Berner Seite des Passes. Aquarellierte Zeichnung, um 1698 (Staatsarchiv Bern, Wallis-Buch F, 228).
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Literatur
– K. Aerni, «Zur Entwicklung der Verkehrslinien in den Tälern des Berner Oberlandes und des Kt. Bern», in Jb. der Geogr. Ges. Bern 51, 1975, 23-61
– W. Bellwald, «Drei spätneolith./frühbronzezeitl. Pfeilbogen aus dem Gletschereis am L.», in ArS 15, 1992, 166-171
– P.J. Suter et al., «Lenk - Schnidejoch», in Archäologie im Kt. Bern 6 B, 2005, 499-522

Autorin/Autor: Klaus Aerni