Ceneri, Monte

Pass (1004 Mons Ceneris) auf 554 m, zwischen der Magadinoebene und dem Tal des Vedeggio gelegen, verbindet das nördl. Tessin (Sopraceneri) mit dem südl. Kantonsteil (Sottoceneri). In röm. Zeit verlief hier die Grenze, die das Gebiet des heutigen Tessins in zwei Verwaltungsbereiche teilte. Auf dem Pass fand man Überreste eines Turmes und zweier Bauten mit röm. Kleinfunden (Tongefässe und eine Münze von Lucilla). Der Turm wurde im 7. Jh. von den Langobarden wieder instand gestellt, 1336 erwähnt und 1518 von den Eidgenossen zerstört. Eine der beiden Strassen von Bellinzona nach Mailand, diejenige über Ponte Tresa, führte durch die Kastanienwälder des C. Sie wurde von Pilgern und Händlern benutzt, war aber auch militärisch wichtig: 590 erreichte ein Frankenheer die Tresa, nachdem es den C. überquert hatte. Im 12. Jh. erlangte Como trotz mailänd. und lokaler Opposition die Kontrolle über die Strasse; die umliegenden Gemeinden mussten sich gemäss den Statuten von Como aus dem Jahr 1335 an den Unterhaltskosten beteiligen. 1367 legten die Vertreter der Landschaften Bellinzona, Locarno und Lugano ihre Grenzen am C. fest. 1559-63 wurden am Nordabhang zwei Strassen gebaut, eine von Quartino ("Kleiner C.") und eine von Cadenazzo aus, sowie das Strassenstück von der Passhöhe nach Süden bis Bironico. Nach der Gründung des Kt. Tessin begann man mit dem Bau der neuen Fahrstrasse, die 1811 fertig gestellt wurde. Während Jahrhunderten galt der Pass wegen der Raubüberfälle auf die Reisenden als gefährlich. Bereits 1309 beschwerten sich Luzerner Kaufleute darüber. Der letzte Postkutschenüberfall fand 1864 statt. Seit 1882 wird der C. in einem Tunnel von der Eisenbahn (Gotthardlinie), seit 1984 auch von der Autobahn unterfahren. Auf der Passhöhe befinden sich ein Waffenplatz (über die Jahre unter anderem von der Artillerie und von den Sanitätstruppen genutzt) sowie die erste Antenne für das Radio der ital. Schweiz. Im 19. Jh. schlug Stefano Franscini vor, auf dem C., gleichzeitig Symbol für die Verbindung wie die Trennung der Tessiner, die Kantonshauptstadt zu bauen und ihr den programmat. Namen Concordia zu geben. Im Zuge der Realisierung der neuen Alpentransversale (Alp-Transit Gotthard) begannen 2006 die Arbeiten am C.-Basistunnel zwischen Camorino und Vezia, der 2020 in Betrieb genommen werden soll.


Literatur
– F. Leoni, Contone, 1989
– G. Vismara et al., Ticino medievale, 1990
– G. Chiesi, F. Zappa, Terre della Carvina, 1991

Autorin/Autor: Graziano Tarilli / GG