24/10/2006 | Rückmeldung | PDF | drucken

Furkapass

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Alpenübergang (2431 m) an der Grenze zwischen Uri und Wallis, in einer gabeligen Einsenkung zwischen Blauberg und Furkahorn gelegen. Um 1306 Furke, 1753 Gabel-Berg, 1574 lat. Furca, auch Coatius, Vrsellus, Iuberus, franz. Fourche, rätorom. Furca. Die Begehung des F.es in vorröm. Zeit ist unsicher. Nach der Eingliederung des Wallis ins Röm. Reich (15 v. Chr.) gehörte das Rhonetal bis gegen 100 zur Provinz Rätien. Furka und Oberalp waren in dieser Zeit als inneralpine West-Ost-Verbindung wichtig. Im FrühMA war der F. wieder eine Grenzscheide, an der sich die Bistümer Chur und Sitten berührten. Das Urserntal auf der Urner Seite der Furka, ab dem 8. Jh. dem Kloster Disentis zugehörig, wurde v.a. von Graubünden aus kolonisiert und war ab dem HochMA von Rätoromanen dünn besiedelt. Noch im 12. Jh. wanderten Walser aus dem oberen Rhonetal über den F. ins Urserntal und weiter über die Oberalp nach Graubünden. Ursern wurde zu einer Walserkolonie. Der Konvent von Disentis bestand schon 1213 zum grossen Teil aus Walsern, auch die klösterl. Ministerialen stammten teilweise aus dem Wallis. Dadurch ergaben sich vielfältige Beziehungen zwischen dem Wallis, Ursern und Disentis. Noch 1322 brachten die Ursner einen Streit mit den Luzernern vor den Meier von Ernen zur Schlichtung. Einflussreiche Urner Fam. (z.B. die von Silenen und von Attinghausen) besassen güterrechtl. und verwandtschaftl. Beziehungen zum Wallis. Leute aus dem Goms hatten Alprechte in Ursern, die im 15. und 16. Jh. zu Nutzungsstreitigkeiten um die Alp Garschen führten.

Der rege Handel und Verkehr über die Furka wurde 1420 in der Einigung von Ursern erwähnt. Ins Wallis wurde v.a. Salz eingeführt, aus dem Wallis u.a. Wein, Getreide und Felle exportiert. Mehrmals (z.B. 1503, 1531, 1579, 1589, 1707) verhandelten Uri und Wallis über Zoll- und Handelsbestimmungen. Der Furkaverkehr war für die Innerschweiz, besonders in Notzeiten (z.B. während kriegsbedingten Handelssperren), wichtig. Der Strassenunterhalt oblag zum grössten Teil dem Kirchspiel Münster und dem Tal Ursern. Zollstätten befanden sich in den Weilern Obergesteln und Zum Loch, zeitweilig auch in Oberwald, ferner in Andermatt. Da sich die Oberwalliser schon früh der Eidgenossenschaft zuwandten (Verlandrechtung mit Luzern, Uri und Unterwalden 1403 und 1416-17), kam der Furka auch eine staatspolit. Bedeutung zu. Im Zeitalter des Konfessionalismus war die Verbindung der kath. Innerschweiz ins Wallis und nach Savoyen besonders wichtig. 1863-66 wurde die Furka von Oberwald bis Hospental durch die Kt. Uri und Wallis zur Fahrstrasse ausgebaut. Der Bund übernahm zwei Drittel der Kosten, da die Strasse in seinem militär. Interesse lag. Die Befestigung der Passhöhe erfolgte um die Jahrhundertwende. 1867-1920 verkehrten Postkutschen, seither werden Postautos eingesetzt. Der Verkehr stieg stetig, ab 1895 durch die Eröffnung der Grimselstrasse zusätzlich gefördert. 1830 wurde das erste Gasthaus in Gletsch eröffnet, ab 1856 bauten die Hotelierfamilie Seiler und weitere Unternehmer das tourist. Angebot aus. 1930 standen zwischen Gletsch und Realp 600 Hotelbetten zur Verfügung. 1907/08 erteilte der Bundesrat die Konzessionen für eine Eisenbahn Brig-Gletsch-Disentis; 1915 konnte der Betrieb bis Gletsch aufgenommen werden. 1916 mussten die weiteren Bauarbeiten aus finanziellen Gründen eingestellt werden, die Unternehmung ging 1923 Konkurs. Die 1925 gegr. Gesellschaft Furka-Oberalp-Bahn vollendete die Arbeiten und nahm 1926 den Betrieb bis Disentis auf. Der 1982 eröffnete Furkabasistunnel ermöglichte einen ganzjährigen Betrieb mit Autoverlad.


Literatur
– H. Muheim, Die Strassenbau-Politik des Kt. Uri, 1945
Furkastrasse, 1955
– I. Müller, «Zum Passverkehr über die Furka im 14. Jh.», in BWG 16, 1976/77, 493-510
– F. Kreuzer, Gesch. des Landes um die Furka mit Beschreibung des Furkabasistunnels Oberwald-Realp, 1982
– L. Carlen, Die Furka, 1984
– S. Fryberg, Der F., 1994
– K. Aerni, «Zoll und Strassenunterhalt am Beispiel der Pässe Grimsel, Gries, Furka und Nufenen im 18. Jh.», in Bull. IVS, 1998, Nr. 2, 4-16

Autorin/Autor: Hans Stadler