Pilatus

Gebirgsgruppe am Vierwaldstättersee in den Kt. Luzern, Nid- und Obwalden. 9. Jh. fractus mons bzw. Fräkmünt (Kopie 12. Jh.), 1460 Pilatus-Berg. Der langgezogene Gebirgszug endet in der dominanten, zerklüfteten Pyramide des P. mit Tomlishorn (2128 m) und Esel (2119 m). Der vom Lopper bis über das Eigental hinweg reichende Hochwald, genannt Hergiswald, war die von Hergiswil, Horw, Kriens, Luzern und Malters bis Ende des 14. Jh. überkommunal genutzte Allmend, die zahlreiche Alpen miteinschloss. Um 1389 trennte die Ürte Hergiswil, die sich Nidwalden angeschlossen hatte, auf der Nordseite des P. die Alp Lauelen ab; die Gipfel des P. bilden seither die Grenze zwischen Nid- und Obwalden. Die Alp Mülimäss war früh Sonderbesitz des Klosters St. Leodegar im Hof, dann der Stadt Luzern. 1483 und 1588 führte die Teilung der Hochwaldallmenden am Nordabhang des P. zu weiteren Grenzen zwischen der Stadt Luzern, der Genossame Schwarzenberg, den Ämtern Kriens und Horw. Der Nutzungsdruck durch Siedlung, Weide und v.a. industriellen Holzbedarf verstärkte sich im 19. Jh. und führte vom Ende des Jahrhunderts an zu Aufforstungen. Die Gipfel des P., besonders des Gnepfsteins, der inzwischen verlandete Pilatussee, die Höhlen (Mondmilchloch), die reiche Kalkalpenflora und die Fauna weckten in der frühen Neuzeit das Interesse von Gelehrten wie Konrad Gessner ("Descriptio montis Fracti" 1555), Moritz Anton Kappeler ("Pilati montis historia" 1767) oder Franz Ludwig Pfyffer von Wyher (Gebirgsrelief, 1750). Die tourist. Erschliessung begann 1856-61 mit der Errichtung des später abgebrannten und 1967 abgebrochenen Hotels Klimsenhorn samt Kapelle durch Kaspar Blättler, später des Hotels Bellevue auf Kulm oder 1890 des Hotels P.-Kulm. 1886-89 wurde die steile Zahnradbahn - im Anschluss an die 1888 eröffnete Brünigbahn nach Brienz - von Alpnachstad nach P.-Kulm erstellt. Um 1890 bestanden erste Pläne für eine Luftseilbahn, die schliesslich 1954-56 von Kriens über die Station Fräkmüntegg bis P.-Kulm gebaut wurde. Am exponierten Berg führen Gewitter häufig zu Wildwasserfluten (v.a. Rengg-, Krienbach, Kleine Schliere). Der P., der für die Trinkwasserversorgung der Stadt Luzern von Bedeutung ist, wurde 1977 ins Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung aufgenommen.


Literatur
– P.X. Weber, Der P. und seine Gesch., 1913
– A. Helfenstein, Das Namengut des P.-Gebietes, 1982
– P.A. Meyer, Der P. zwischen Mystik und Tourismus, 1989
– A. Ineichen, Innovative Bauern, 1996

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch