Sitter

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Fluss von ca. 49 km Länge in den Kt. Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden, St. Gallen und Thurgau. 787 Sidruna. Die S. entsteht bei Weissbad aus der Vereinigung von Brüel-, Schwendi- und Wissbach und fliesst ab Appenzell in eiszeitlich eingetieften Molasseschluchten, mit Rotbach und Urnäsch als Hauptzuflüssen. Bei Bischofszell mündet die S. in die Thur. 1647-1858 war der Kt. Appenzell Ausserrhoden in die Länder hinter und vor der S. getrennt. Aufgrund der wechselhaften Topografie entstanden Brücken vielfältiger Bauart, v.a. bei St. Gallen. Die Fähre Gertau (Gem. Hauptwil-Gottshaus)-Degenau verkehrte noch zu Beginn des 21. Jh. Ab dem SpätMA wurde die Wasserkraft der S. stark genutzt, etwa durch die Papiermühlen in Degenau und Kubel (Gem. St. Gallen) oder durch die Sittermühle in Bischofszell. Bei der Stadt St. Gallen war ab 1604 die fürstäbt. Papiermühle Kräzern in Betrieb. Im Sittertobel standen 1840-1988 die Spinnerei, Stickerei und Färberei Sittertal (heute Kulturzentrum), 1483-1834 die städt. Leinwandwalke im Rechen und ab 1828 die Textilfabrik Sittertobel (heute Filtrox AG). Seit 1981 findet hier das 1977 gegr. Open-Air St. Gallen statt. Ab 1892 diente der Fluss auch der Stromerzeugung. Das 1898 anstelle der Papiermühle gegr. Elektrizitätswerk Kubel nutzt die Flüsse S. und Urnäsch mittels des Ausgleichsbeckens Gübsensee. Das Werk gehörte 1911-14 dem Kt. St. Gallen, seither den St.-Gall.-Appenzell. Kraftwerken. Weitere Grossprojekte scheiterten, so 1919 bzw. 1922 ein Stauseebau unterhalb Appenzells.


Literatur
– J. Elser, 25 Jahre St. Gall.-Appenzell. Kraftwerke AG 1914-1939, 1939

Autorin/Autor: Markus Kaiser