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Rue (Gemeinde)

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Polit. Gem. FR, Glanebez., am oberen Lauf der Broye gelegen. 1992 mit Blessens, 2001 mit Promasens und Gillarens vereinigt. 1152 Rota, dt. früher Rüw. 1278 53 Feuerstellen; 1368 48; 1425 39; 1850 641 Einw.; 1900 615; 1950 671; 2000 525 (Blessens: 1990 89 Einw.). Der kleine Hügel in Alleinlage bei Saulgy ist möglicherweise ein halltstattzeitl. Hügelgrab. Die Bronzestatuette eines Wildschweins stammt vielleicht aus der Römerzeit, ausserdem trat ein Gräberfeld aus dem 6.-7. Jh. n.Chr. zutage. Die Herren von R., Vasallen des Gf. von Genf, besassen dort eine Burg samt Marktflecken. Die Burg wurde 1237 im Krieg zwischen dem Gf. von Genf und Peter II. von Savoyen zerstört. Letztgenannter liess sie ab 1251 mit einem höher gelegenen Zufluchtsort für die Bewohner (Hocheinstieg) wieder aufbauen und setzte 1258 einen Kastlan ein. Das Städtchen (ville neuve) wurde 1264-71 gebaut und erhielt zwischen 1285 und 1293 von Moudon Freiheitsrechte zugesprochen. Von dieser Zeit an sind ein Wochenmarkt und Jahrmärkte bezeugt. Spätestens ab 1433 verfügte R. über ein Spital. Die Nähe zu den Städten Moudon, Lucens und Romont (FR) bremste die Entwicklung des Orts, obwohl R. militärisch günstig zwischen dem Broye- und dem Glanetal und an den Strassen Vevey-Avenches, Freiburg-Lausanne und Vaulruz-R. lag, wobei letztere für den Käsetransport von Greyerz an den Markt von Moudon benützt wurde.

In den Burgunderkriegen wurde R. vermutlich von eidg. Truppen geplündert und gelangte bei der Eroberung der Waadt durch Bern 1536 an Freiburg. Das Städtchen war bis 1798 Vogteisitz und dann bis 1848 Präfektur; mit deren Auflösung verlor es seine Zentrumsfunktion. Der Kanton verkaufte das Schloss 1856, seither befindet es sich in Privatbesitz. Mehrere adlige Fam., darunter die de Maillardoz, besassen Häuser in R. Das Chapellenie Maillardoz genannte Haus ist seit 2006 ein privates Kulturzentrum. R. gehörte zur Pfarrei Promasens. Die vor 1336 erbaute Kapelle Saint-Nicolas (Taufbecken von 1436) wurde 1622 von der Pfarrei abgetrennt; 1638 wurde R. eine selbstständige Pfarrei. Die Einwohner von R. lebten v.a. von der Viehzucht und vom Viehhandel. Bis zum Beginn des 20. Jh. wurde im Ort monatlich ein Viehmarkt abgehalten. 2005 stellte der 1. Sektor noch 45% der Arbeitsplätze.


Literatur
– M. Grandjean et al., R., 1999
– D. de Raemy, Châteaux, donjons et grandes tours dans les Etats de Savoie (1230-1330), 2004, 160-162

Autorin/Autor: Florian Defferrard / BE