18/11/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Glatt

Kleiner Nebenfluss des Rheins im Kt. Zürich mit einer Länge von 38,5 km. Er fliesst aus dem Greifensee und mündet bei Rheinsfelden (Gem. Glattfelden) in den Rhein. Die G. weist im Oberlauf ein schwaches Gefälle auf, während sie im Unterlauf stark abfällt und Geschiebehalden bildet. Vor 1034 fluvii, qui dicitur glat. Ab dem 15. Jh. übte die Stadt Zürich die Hoheit über die G. aus (1462 Glattordnung im Stadtbuch). Im 16. Jh. delegierte der Rat die Flussaufsicht an zwei sog. Glattvögte. 1593 erfolgte der erste Korrektionsversuch. Der Fluss galt als fischreiches Gewässer, hingegen wurde er "wenig beschiffet" (1742). Die Wassermühlen an der G. waren stets hochwassergefährdet. Ab 1816 kam die industrielle Nutzung der Wasserkraft auf, vornehmlich durch Spinnereien. Um 1900 erreichten die Wasserwerke für die Stromerzeugung am unteren Glattlauf eine Leistung von 1'500 kW. Nach der Korrektion Niederglatt-Rhein 1975 verschwanden diese endgültig. 1890 wurde der Interessenverband der Wasserrechtsbesitzer, die Greifenseewuhr-Gesellschaft, gegründet (1937 Umwandlung in eine Genossenschaft, 1980 Auflösung). Im 19. und 20. Jh. kam es zu versch. Korrektionen. 1807 wurde das sog. Projekt Vogel mit seitl. Dämmen verworfen. 1812 erstellte die kant. Wasserbau-Polizeikommission unter Mitarbeit von Hans Conrad Escher eine Expertise. Nach dem Bau eines Stollens bei Rheinsfelden sowie der Streckung und Eintiefung des Flusslaufs zwischen Glattbrugg und Oberglatt wurde das Vorhaben 1825 wegen Geldmangels eingestellt und 1840 liquidiert. 1878-95 fand die zweite Korrektion statt. 1936 diente die dritte Korrektion als Vorleistung für den projektierten Flughafen Kloten, den Siedlungsausbau und die Melioration im Glatttal, aber auch zur Arbeitsbeschaffung. Das Wachstum der Agglomeration Zürich führte zu einer enormen Verschmutzung der G., die trotz der in den 1960er Jahren erstellten Klärwerke nicht entscheidend behoben werden konnte. 1994-2002 erfolgte die sog. Sanierung der Abwässerverhältnisse Zürich Nord durch den Bau einer Stollenverbindung vom Glatt- ins Limmattal.


Archive
– StAZ, u.a. Glattprotokolle 16.-18. Jh., Archiv der Greifenseewuhr-Genossenschaft
Literatur
– H. Maeder, «Aus der Gesch. der Fischerei in der G.», in Heimatbuch Dübendorf 22, 1968, 17-34
– U. Zimmermann et. al., Baumwolle und Wasserkraft, 1988
– M. Illi, «Das Oberhauserriet», in ZTb 1990, 1989, 48-72

Autorin/Autor: Martin Illi