Saane (Fluss)

Die S. ist der bedeutendste linksseitige Zufluss der Aare. 1039 Sanona, 1259 Seroye, 1271 Serona, 1360 Sane, 1425 Sarina; franz. Sarine, ital. Sarina. Sie entspringt im Diableretsgebiet auf Walliser Boden, durchfliesst nordwärts das bern. Saanenland, das Waadtländer Pays-d'Enhaut, die Freiburger Bez. Greyerz, S., Sense und See (zwischen den beiden Letzteren bildet er die Grenze) sowie den bern. Amtsbez. Laupen und mündet bei Wileroltigen in die Aare. Die wichtigsten Zuflüsse aus dem 1900 km2 grossen Einzugsgebiet sind die Glane und die Sense. An den stellenweise tief eingeschnittenen Mäandern entstanden - z.T. bei ma. Brücken - ab dem 11. Jh. Klöster (Rougemont, Broc, Hauterive, Maigrauge) und Burgen als Herrschaftszentren (Greyerz, Montsalvens, Ogoz, Corbières, Everdes, Vuippens, La Roche, Illens, Arconciel, Glâne, Vivy, Laupen, Oltigen). Von den Stadtgründungen überlebten jene des 12. Jh., Freiburg, Greyerz und Laupen, während die Burgstädtchen des 13. Jh., u.a. La Tour-de-Trême, Corbières und Oltigen, abgingen.

Einst von Keltoromanen bewohnt, gehört das Saanegebiet zum frankoprovenzal. Sprachraum. Die Sprachgrenze verläuft östlich der S., wo mit den Alemannen Deutsch in Saanen, Laupen und an der Sense Eingang fand. Im MA gehörte das Gebiet kirchlich zum Bistum Lausanne. Herrschaftlich war der obere Saaneraum bis Rossens Teil der 1244-1536 unter savoy. Lehenshoheit stehenden Grafschaft Greyerz, der untere zählte zum zähring.-kyburg. Machtbereich. Reichsburgen (Grasburg, Laupen, Gümmenen) sollten Reichsansprüche gegen Savoyen an der Sense-S.-Linie sichern, an der ab dem 14. Jh. Bern und Freiburg um Flussübergänge rangen. Freiburg setzte seine Landesherrschaft im mittleren Saaneraum vor 1470 durch (Alte Landschaft), in der Grafschaft Greyerz danach bis 1555. In diesem Jahr kamen Saanen sowie das Pays-d'Enhaut zu Bern, die Herrschaft Laupen war schon 1324 an Bern gelangt. 1798 blieb das Dep. Sarine et Broye als Kanton der Rhodan. Republik ein Projekt der franz. Besatzungsmacht.

Das Saanegebiet ist, mit Ausnahme des polit., kulturellen und ökonom. Zentrums Freiburg, stark landwirtschaftlich geprägt. Der zwischen 700 und 1000 m gelegene obere Saaneraum (Pays-d'Enhaut, Bez. Greyerz) gehört zur voralpinen Milch- und Viehwirtschafts-, das Gebiet unterhalb 700 m zur Ackerbauzone. Dörfer dominieren links der S., Streusiedlungen rechts. Über die Nutzung der S. als Wasserweg liegen vom 14. Jh. an Belege vor. Sie war von Freiburg an schiffbar, u.a. für Transporte von Tuchen und Leder an die Zurzacher Messen. Die Schifffahrt wurde vom freiburg. Rat geregelt. Holzflösserei war bis nach 1900 üblich. Der Holzreichtum liess am Saanelauf neben Getreidemühlen, Schmieden und Stampfwerken v.a. Sägereien entstehen. Als Mehl ab 1862 mit der Eisenbahn zugeführt wurde, gingen viele Mühlen ein, während die Sägereien überlebten.

Im 19. Jh. unterblieb eine namhafte Fabrikindustrialisierung am Fluss. Dafür entwickelte sich die Elektrizitätswirtschaft ab 1890 zum bedeutenden Wirtschaftszweig. Der Saanelauf wird heute von mehreren Staustufen zur Nutzung des Gefälles von 1'895 Metern unterteilt. Im Zeitraum 1891-1973 entstanden die Elektrizitätswerke Maigrauge (Gem. Freiburg, ab 1872 Kraftwerk für mechan. Energie mit Drahtseiltransmission, 1891 umgebaut), Charmey (1893 fertiggestellt, an der Jogne), Montbovon (1896), Thusy (Gem. Pont-la-Ville, 1901, überflutet 1948), Oelberg (Gem. Freiburg, 1910), Montsalvens (Gem. Broc, an der Jogne, 1920), Rossens (1948), Schiffenen (Gem. Kleinbösingen, 1963), Sanetsch (Gem. Gsteig, 1968) und Rossinière-Lessoc (Gem. Haut-Intyamon, 1973). Die ersten waren Fabrikwerke, wie z.B. jenes der Schokoladefabrik Cailler in Broc, und gingen erst später in den Besitz der kant. Elektrizitätswerke über. Die Anlage der dazugehörigen Stauseen - Lac de Pérolles, Lac de Montsalvens (an der Jogne), Greyerzersee und Schiffenensee - stiess z.T. auf heftige Opposition. PCB-Chemikalien aus der Deponie La Pila (Gem. Hauterive FR) belasteten den unteren Abschnitt der freiburg. S. in den Jahren nach 2000 nachhaltig.


Literatur
– F. Delabays, La Sarine et son utilisation industrielle, 1928
– L. Page, S. und Glâne, [1971]
– E.E. Thilo, Die S., 1979
– P. Homewood et al., Saanetal, Pérolles-See, 1981
– J.-P. Robatel et al., La Sarine, 1983
– L. Cochard et al., La construction du barrage de Rossens, 1988

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler