• <b>Kreuzzüge</b><br>Der ungarische König Sigismund von Luxemburg (1368–1437) zieht zu Schiff in einem der letzten (1396) als Kreuzzüge deklarierten Feldzug gegen die Türken, nach der "Luzerner Chronik" von   Diebold Schilling,  1513 (Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, Sondersammlung, Eigentum Korporation Luzern).

Kreuzzüge

Die Kreuzzugsbewegung als Teil des religiösen Aufbruchs im HochMA erfasste seit Ende des 11. Jh. auch das Gebiet der Schweiz. Der Aufruf von Papst Urban II. 1095 zum 1. Kreuzzug nach Palästina fand im Adel und unter den Prälaten der burgund. und alemann. Schweiz Anklang. Am Zug von 1096-99 und an der Eroberung von Jerusalem beteiligten sich vermutlich Gf. Rudolf I. von Neuenburg, Ulrich von Greyerz, Domherr in Lausanne, und sein Bruder Hugo, ein Ritter von Ems, ein Frh. von Brandis, Abt Gerhard von Allerheiligen und Gf. Hartmann von Kyburg-Dillingen. Ein nachhaltigeres Echo löste der Aufruf zum 2. Kreuzzug durch Bernhard von Clairvaux aus, der im Dez. 1146 auf seiner Predigtreise, begleitet von Bf. Hermann I. von Konstanz, durch die Nordschweiz zog. Darauf nahmen in Basel Bf. Ortlieb und viele Kriegsleute aus seinem Bistum das Kreuz und zogen mit Konrad III. ins Hl. Land. Nachdem er auf der Rückreise 1149 in Regensburg privilegiert und entlassen worden war, kehrte Ortlieb von Frohburg mit kostbaren Reliquien nach Basel zurück. An diesem Zug nahmen auch Gf. Amadeus III. von Savoyen (gestorben 1148 in Nikosia), der zuvor im Kloster Saint-Maurice eine Pfandleihe aufgenommen hatte, und Bartholomäus II. von Grandson teil.

Unabhängig von Kreuzfahrerheeren zogen immer wieder Ritter und Geistliche, vereinzelt auch Frauen ins Morgenland, um als Pilger (Pilgerwesen) die hl. Stätten zu besuchen und sich dem Kampf gegen die Heiden anzuschliessen, so beispielsweise Vaucher II. und III. von Blonay oder die als Mönch verkleidete Uta von Tarasp, die 1163 auf der Reise starb und im Kloster Marienberg im Südtirol bestattet ist.

Unter den Teilnehmern des von Ks. Friedrich I. Barbarossa angeführten 3. Kreuzzugs (1189-92), bei dem Akkon erobert wurde, befanden sich Zähringer sowie Grafen von Kyburg, Habsburg, Neuenburg und Burgund, die Bf. Heinrich I. von Basel und Nantelm von Genf. Für den 4. Zug nahm 1200, unter dem Eindruck der Predigt des Zisterzienserabtes Martin Litz von Pairis (Elsass), der Bf. von Basel, Lüthold von Aarburg, das Kreuz. Dem Heer Kg. Andreas' II. von Ungarn, das den 5. Kreuzzug in Angriff nahm, schlossen sich nach der Predigt der Zisterzienser von Hauterive 1217 Adlige der burgund. Schweiz an, Herren von Vulliens, Grandson und Ernen sowie der Lausanner Bf. Berthold von Neuenburg. Zu diesen stiessen Rudolf II. von Rapperswil und Lütold IV. von Regensberg, der 1218 vor Akkon den Tod fand. Beim Zug Friedrichs II. machten nach der Predigtreise des Kardinallegaten Konrad von Urach in der Ostschweiz u.a. Werner von Kyburg-Dillingen (gestorben 1228 vor Akkon) und Rudolf II. von Glattburg mit. Eine herausragende Gestalt der späten K. war der im Dienst des engl. Königs stehende Heerführer Otto I. von Grandson, dessen Name mit der Belagerung und dem Fall von Akkon 1291 sowie dem Untergang der Kreuzfahrerbastionen in Palästina eng verknüpft ist.

Auch bei K.n gegen andere Heiden und gegen Häretiker finden sich "Schweizer": beim Zug des Deutschen Ordens ins Baltikum von 1225, an dem Berner teilnahmen, beim Zug von 1243 gegen die Mongolen und 1366 bei demjenigen Gf. Amadeus' VI. von Savoyen gegen die Bulgaren, als Mitstreiter aus der Westschweiz und dem Wallis dabei waren. Im 15. Jh. wurde neben den Hussiten- und Türken-K.n im Zeichen eines oberrhein.-eidg. Nationalismus auch der Kampf gegen Karl den Kühnen von Burgund als K. propagiert.

<b>Kreuzzüge</b><br>Der ungarische König Sigismund von Luxemburg (1368–1437) zieht zu Schiff in einem der letzten (1396) als Kreuzzüge deklarierten Feldzug gegen die Türken, nach der "Luzerner Chronik" von   Diebold Schilling,  1513 (Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, Sondersammlung, Eigentum Korporation Luzern).<BR/>
Der ungarische König Sigismund von Luxemburg (1368–1437) zieht zu Schiff in einem der letzten (1396) als Kreuzzüge deklarierten Feldzug gegen die Türken, nach der "Luzerner Chronik" von Diebold Schilling, 1513 (Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, Sondersammlung, Eigentum Korporation Luzern).
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Kritik an den K.n wurde von Seiten der humanist. Geschichtsschreiber wie Heinrich Bullinger, Johannes Stumpf und Aegidius Tschudi laut. Die K. hatten grosse Rückwirkungen auf Europa. Die in Palästina entstandenen geistl. Ritterorden errichteten sowohl zur Unterstützung des Kampfes wie auch für Pilger und Arme ein Netz von Kommenden, Herbergen und Spitälern. Kreuzzugspredigt, -gelübde, -ablässe, Geldsammlungen, Vergabungen und der Reliquienfluss aus dem Orient veränderten das religiöse und kulturelle Leben im Abendland nachhaltig. Kg. Ludwig IX. von Frankreich schenkte 1261 dem Kloster Saint-Maurice einen Dorn der Krone Christi. Neue Motive fanden Eingang in die christl. Ikonografie, u.a. die Jerusalem- und Ölbergdarstellung in der Kirche S. Maria degli Angeli in Lugano (um 1530). Für die Schweiz fehlt, über Einzelbeobachtungen hinaus, eine landesgeschichtl. Gesamtdarstellung der K. und ihrer Auswirkungen.


Literatur
– L. Carlen, «Die Kreuzzugsbewegung im Wallis», in ZSK 57, 1963, 107-119
– R. Pfister, Kirchengesch. der Schweiz 1, 1964, 166-169
– L. Carlen, «Der Ritterschlag am Hl. Grab zu Jerusalem», in Forsch. zur Rechtsarchäologie und rechtl. Volkskunde 6, 1984, 5-26
– L. Schmugge, Die K. aus der Sicht humanist. Geschichtsschreibung, 1987
LexMA 5, 1508-1519
Ökumen. Kirchengesch. der Schweiz, hg. von L. Vischer et al., 1994, 61-63
– C. Sieber-Lehmann, Spätma. Nationalismus, 1995

Autorin/Autor: Ernst Tremp