06/07/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken

Bibracte, Schlacht bei

Zu Beginn seines Gall. Kriegs berichtet Julius Caesar über seinen Feldzug von 58 v.Chr. gegen die Helvetier, die Rauriker, die Boier, die Latobriger und die Tulinger, die unter der Führung Divicos versuchten, in die Saintonge im südwestl. Gallien auszuwandern. Nach einem ersten Zusammenstoss Mitte April bei Genava und dem Massaker an den Tigurinern anfangs Juni am Ostufer der Saône zogen die Auswanderer in Richtung Loire, gefolgt von den sechs Legionen Caesars. Um den 20. Juni bog dieser nach dem 27 km entfernten B. ab, um dort Lebensmittel zu holen, die ihm von den Häduern, seinen Verbündeten, zugesagt worden waren. Da machten die Helvetier kehrt und griffen an. Die Schlacht, die gegen Mittag begonnen hatte, endete in der Nacht mit der Niederlage der Auswanderer. Die meisten zogen sich in das Gebiet der Lingonen (Gegend um Langres, östl. Champagne) zurück, wo sie mangels Unterstützung kapitulierten. Caesar schickte die Helvetier in ihr Gebiet zurück, wahrscheinlich nachdem er mit ihnen einen Vertrag abgeschlossen hatte. Das Schlachtfeld liegt vermutlich bei Montmort (Dep. Saône-et-Loire), wo bei archäolog. Untersuchungen ein Graben entdeckt wurde, der wahrscheinlich von den Legionären Caesars ausgehoben worden war. Zwar wird in der Schweizer Geschichtsschreibung oft die Tapferkeit der Helvetier herausgestrichen (nach Caesar soll kein Legionär gesehen haben, dass ein Feind ihm den Rücken zukehrte), doch haben B. und Divico in der Schweiz nicht dieselbe myth. Bedeutung erreicht wie Alesia und Vercingetorix in Frankreich, denn: Ein versuchter Auszug aus dem eigenen Land eignet sich schwerlich für den patriot. Diskurs.


Quellen
– C. Julius Caesar, De bello gallico 1, 2-29
Literatur
– L. Flutsch, «La localisation de la bataille de B.», in ZAK 48, 1991, 38-48
– L. Flutsch, G. Kaenel, «58 vor Christus: Cäsar, die Helvetier und die Archäologie», in Gold der Helvetier, Ausstellungskat. Zürich 1991, 28-33
SPM 4

Autorin/Autor: Laurent Flutsch / KMG