• <b>Walensee</b><br>Schiffbruch vom 11. Januar 1570, bei dem über 40 Menschen samt ihrer Pferde ertranken. Text und kolorierte Federzeichnung aus der Sammlung des Zürcher Chorherrn  Johann Jakob Wick (Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Wickiana, Ms. F 19, Fol. 3v).

Walensee

Fjordähnl. Voralpensee mit einer Länge von 15,3 km (Walenstadt-Weesen), einer Breite von 1,3 km (Murg-Quinten) und einer Maximaltiefe von 151 m (vor Quinten). 9./10. Jh. Lacus rivanus, 1259 Walase, um 1300 Lacus de ripa. Das Walenseetal erstreckt sich in westöstl. Richtung. Am Südufer des W.s verläuft die Verkehrsachse Zürich-Sargans-Chur. Rund 81% des 24,2 km2 grossen Gewässers gehören zum Kt. St. Gallen, 19% zum Kt. Glarus. Die wichtigsten Zuflüsse sind die Seez aus dem Sarganserland, der Murgbach und seit der Fertigstellung des Escherkanals 1811 die Linth aus dem Glarnerland. Vom W. fliesst das Wasser durch den 17 km langen, 1816 eröffneten Linthkanal in den Zürichsee. Der W. bildete für den Landverkehr mit den steil abfallenden Churfirsten auf der Nordseite sowie dem Flumser- und Kerenzerberg auf der Südseite lange einen natürl. Riegel. Hier verlief im MA die Grenze zwischen dem alemann. und rät. Siedlungsgebiet und Sprachraum. Bereits im 9. Jh. erreichten alemann. Bevölkerungsgruppen das westl. Ende des W.s. Das östlich des Sees gelegene Sarganserland wurde hingegen erst ab dem 11. oder 12. Jh. germanisiert. Neben Walenstadt am östl. und Weesen am westl. Seeende, beides wichtige Umschlagplätze, finden sich die Siedlungen v.a. am Südufer. Die Ortsnamen Terzen (Ober- und Unterterzen) und Quarten am südl. sowie Quinten am nördl. Ufer rühren wohl von der frühma. Hofzählung des Bistums Chur her.

Am westl. Ende des W.s finden sich Überreste von drei röm. Militäranlagen, den sog. Walenseetürmen Biberlikopf, Stralegg und Voremwald aus dem 2. Jahrzehnt v.Chr. Das Churrät. Reichsgutsurbar (um 840) nennt in Walenstadt zehn abgabepflichtige Schiffe, was die frühe Bedeutung der Schifffahrt auf dem W. deutlich macht. 960 schenkte Kg. Otto I. der Kirche Chur die Fischenz im W. und in der Seez. Nach einer Urkunde von 965 erhielt das Frauenkloster Säckingen den Hafen Walenstadt sowie das Recht zur Schifffahrt und zur Erhebung eines Fährzolls. Auch das Kloster Pfäfers besass im MA Rechte am und auf dem W. Im 13. und 14. Jh. brachten die Habsburger die Schifffahrt auf dem W. unter ihre Kontrolle. 1498 stellten die eidg. Orte Schwyz, Glarus und Zürich eine gemeinsame Schifffahrtsordnung auf, die bis zur Schaffung des neuen Kt. St. Gallen 1803 in Kraft blieb. Die Schiffleute von Weesen und Walenstadt sowie die Zürcher Zunft zur Schiffleuten wahrten aber das Privileg des Personentransports.

<b>Walensee</b><br>Schiffbruch vom 11. Januar 1570, bei dem über 40 Menschen samt ihrer Pferde ertranken. Text und kolorierte Federzeichnung aus der Sammlung des Zürcher Chorherrn  Johann Jakob Wick (Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Wickiana, Ms. F 19, Fol. 3v).<BR/><BR/>
Schiffbruch vom 11. Januar 1570, bei dem über 40 Menschen samt ihrer Pferde ertranken. Text und kolorierte Federzeichnung aus der Sammlung des Zürcher Chorherrn Johann Jakob Wick (Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Wickiana, Ms. F 19, Fol. 3v).
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Die Schifffahrt auf dem W. bildete eine wichtige Etappe im Transitverkehr zu den Bündnerpässen. Der Transport wurde bis weit ins 19. Jh. hinein weitgehend über den See abgewickelt. Nach einem schweren Schiffsunglück 1570 liess Hauptmann Fridolin Heer von Glarus zu Beginn des 17. Jh. am Südufer des W.s einen Weg bauen und unterhielt ihn vorübergehend. Erst Mitte des 19. Jh. entstand mit der Strasse über den Kerenzerberg wieder eine Landverbindung. 1837 fuhr das erste Dampfschiff auf dem W. 1859 wurde die Bahnlinie Ziegelbrücke-Sargans mit einem Tunnel durch den Kerenzerberg vollendet, weshalb die Schifffahrt stark an Bedeutung verlor. 1964 erfolgte die Fertigstellung einer Uferstrasse, ebenfalls mit Tunneln im Kerenzerberg. Das 1987 eröffnete Autobahnteilstück Weesen-Walenstadt beseitigte das Nadelöhr am W. auf der A3 zwischen Zürich und Chur. Zur Sicherung der Festung Sargans baute die Armee im 2. Weltkrieg auf dem W. eine kleine Flotte auf. Der Tourismus (Schifffahrt, Geopark Sarganserland, Ferienresort, Musicals auf der Walenseebühne) nahm zu Beginn des 21. Jh. an Wichtigkeit zu.


Literatur
– P. Gubser, Walenstadt und die alte Königsstrasse, 1967
– G. Städler, W.-Schiffahrt, Linth-Schiffahrt, 1996
– R. Hantke, A.E. Scheidegger, «Zur Morphogenese des W.s», in Terra plana, 2000, H. 2, 4-7
– P. Schulthess, Sarganserland - W., 2005
– T. Reitmaier, Vorindustrielle Lastsegelschiffe in der Schweiz, 2008
– G. Städler, «W.-Marine im Zweiten Weltkrieg», in Terra plana, 2009, H. 3, 53-56

Autorin/Autor: Jakob Kuratli Hüeblin