• <b>Zugersee</b><br>Zuger Vorstadtkatastrophe. Fotografie, 1887 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv). Am 5. Juli 1887 führten Rutschungen unterhalb des Wasserspiegels zum Uferabbruch. 26 Wohngebäude versanken im See oder fielen in sich zusammen. Elf Menschen starben und 650 verloren ihr Obdach. Der zuvor begonnene Ausbau der Hafen- und Quaianlagen mit den Aufschüttungen hatte dem von Natur aus labilen Seegrund zu wenig Rechnung getragen. Ähnlich wie beim Goldauer Bergsturz (1806) oder beim Brand von Glarus (1861) unterstützte die Schweizer Bevölkerung die Überlebenden mit Spenden.

Zugersee

38 km2 grosser und bis zu 197 m tiefer See zwischen Voralpen und Mittelland. Der zum Kt. Zug gehörende Untersee wird durch die bewaldete Halbinsel Chiemen (Kt. Luzern) vom grösstenteils schwyzer. Obersee getrennt. Der Hauptzufluss Lorze mündet zwischen Zug und Cham in den See und verlässt diesen, reguliert durch ein Wehr, wieder bei Cham. Die ältesten Siedlungsspuren am Nordufer, das nach der letzten Eiszeit weiter nördlich lag, datieren ins Spätpaläolithikum. Von den über 50 Ufersiedlungen aus Neolithikum und Bronzezeit zählen drei seit 2011 zum Unesco-Welterbe. 858 wird Cham als erste Siedlung urkundlich genannt. Die Burgen auf den Halbinseln St. Andreas und Buonas sind mittelalterlich. Wichtigste Siedlung am Z. wurde die vermutlich kurz nach 1200 am instabilen Nordostufer gegr. Stadt Zug, von der Teile 1435 und 1887 bei grossen Ufereinbrüchen versanken. Die Zug konkurrierende Markt- und Stadtgründung in Cham (1360) scheiterte nach kurzer Zeit. 1352 misslang ein über den Z. vorgetragener habsburg. Angriff auf das am Obersee gelegene Arth, dessen Eingliederung ins Land Schwyz kurz danach abgeschlossen war. Die 1354 erstmals erw. Letzimauern nördlich von Arth beidseits des Z.s wurden wohl zwischen 1320 und 1350 erstellt.

Die Stadt Zug brachte im 14. und 15. Jh. mit dem Erwerb ihrer Vogteien den Z. weitgehend unter ihre Hoheit. 1591/92 und nochmals in den 1630er Jahren vertiefte sie den Lorzeausfluss und senkte den Seespiegel um 2,5 m ab. Landgewinne, aber auch Uferabbrüche waren die Folge. 1479 reglementierten die Stadt Zug, der die meisten Fischereirechte gehörten, und Schwyz gemeinsam die Fischerei im Z. 1893 schlossen die Kt. Zug, Schwyz und Luzern erstmals ein Fischereikonkordat ab. 1894 sprach das Bundesgericht die städt. Fischereirechte dem Kt. Zug zu. Anfang des 21. Jh. war die Berufsfischerei (mit dem Zuger Rötel als Spezialität) fast bedeutungslos.

<b>Zugersee</b><br>Zuger Vorstadtkatastrophe. Fotografie, 1887 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).<BR/>Am 5. Juli 1887 führten Rutschungen unterhalb des Wasserspiegels zum Uferabbruch. 26 Wohngebäude versanken im See oder fielen in sich zusammen. Elf Menschen starben und 650 verloren ihr Obdach. Der zuvor begonnene Ausbau der Hafen- und Quaianlagen mit den Aufschüttungen hatte dem von Natur aus labilen Seegrund zu wenig Rechnung getragen. Ähnlich wie beim Goldauer Bergsturz (1806) oder beim Brand von Glarus (1861) unterstützte die Schweizer Bevölkerung die Überlebenden mit Spenden.<BR/>
Zuger Vorstadtkatastrophe. Fotografie, 1887 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
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Bis ins 19. Jh. nutzte der obrigkeitlich geregelte Warentransport von Zürich über Zug nach Luzern oder in die Länderorte den Seeweg. Wichtige Susten lagen in Zug (1359 Sustrecht) und Immensee. Andere Schiffsverbindungen wie das 1423 bezeugte und durch ein Monopol geschützte Fahr von Buonas dienten dem Lokalverkehr, etwa zum Markt in Zug. Die neuen Strassen von Immensee (1806) und Zug (1829) nach Arth standen am Anfang des Ausbaus der Verkehrswege rund um den Z. 1897 schloss der Bau der Gotthardlinie am Ostufer von Zug nach Arth-Goldau den Eisenbahnring; die Linien am Westufer waren schon 1881 fertiggestellt worden. Mit dem ersten Dampfschiff 1852 und der Einrichtung von Badanstalten (1882 Seelikon in Zug) setzte die Nutzung des Sees für Freizeit und Sport ein. 1946 bzw. 1966 erliessen die Kt. Zug und Schwyz Verordnungen zum Uferschutz.

Ideen eines Kanals zwischen dem höher gelegenen Vierwaldstättersee und dem Z. kamen in den 1770er Jahren auf und wurden in der Helvetik und ab 1840 weiterentwickelt. Sie blieben ebenso unverwirklicht wie Pläne eines Kraftwerkbaus zwischen beiden Seen seit dem späten 19. Jh. Um die Mitte und gegen Ende des 20. Jh. wurden sie konkreter, nun als Teil von Projekten, mit Wasser aus dem Vierwaldstättersee den überdüngten Z. zu sanieren. Dagegen realisierte der 1970 gegr. Gewässerschutzverband Z.-Küssnachtersee-Ägerisee eine auch der Seesanierung dienende Ringleitung um den Z. mit zentraler Kläranlage in der Schönau bei Cham.


Literatur
– A. Iten, Die ehem. Fischerei-Rechte der Stadt Zug im Z., 1920
– H. Stadlin-Graf, Zur Gesch. der Schiffahrt auf dem Z., [1947]
Zuger Njbl., 1993 (Themenheft "Wasser")
IVS Dok. SZ 44; ZG 2

Autorin/Autor: Renato Morosoli