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Bielersee

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Jurarandsee (40 km²), Teil der Region Seeland, Kt. Bern und Neuenburg (Le Landeron). In interglazialen Warmzeiten erstreckte sich zeitweise ein einziges Wasserbecken zwischen Orbe und Solothurn. Vom Neolithikum bis in spätröm. Zeiten gehörten die Ufer des B.s und der Zihl (Zu-, Abfluss) mit hochwasserbedingten Unterbrüchen zu den dichtest besiedelten Regionen der Schweiz (Twann, Lüscherz, Lattrigen). Ein steigender Seespiegel in der Hallstattzeit (800-450 v.Chr.) zwang zur teilweisen Umsiedlung in höhere Lagen. Bedeutende kelt. Siedlungen der Latènezeit (um 450-1. Jh. v.Chr.) entstanden auf dem Jolimont und dem Jensberg. Die Seegegend war Durchgangsland; älteste Wege vom Mittelland über den Jura verliefen südlich des Sees durch das Grosse Moos und über die Zihl. In galloröm. Zeit (1. Jh. v.Chr.-5. Jh. n.Chr.) wurden Wege und Siedlungen ausgebaut: Neue Routen zum Jura entstanden am Südufer und am Nordende bei Aegerten-Brügg.

Der B. ist urkundlich als Nugerolsee (1221-ca. 1300 lacus de Nuerol), aber auch als Erlach- (1212 lacus Erliacensis) und Bielsee (1287) bezeugt; die Bezeichnung als Nidauersee herrschte bis anfangs 19. Jh. vor. Franz. Lac de Bienne. Der See mit allen Rechten gehörte vom frühen 13. Jh. an zur Herrschaft der Gf. von Neuenburg(-Nidau). Ausgenommen waren die Uferpartien bei La Neuveville und Biel, die dem Fürstbf. von Basel zustanden, sowie örtl. Freiherrschaften bei Ligerz und Twann. Sonderrechte genoss das Priorat Sankt Petersinsel. Nach der Eroberung Nidaus 1388 beanspruchte Bern die Seevogtei mit voller Gerichtsbarkeit als Teil der landgräfl. Rechte. Ansprüche erhob aber auch der Fürstbf. von Basel. Erst 1456-87 kam eine Regelung zustande: Bern errang das Seegericht und die Seehoheit -- mit Ausnahme der niederen Seegerichte in Biel und La Neuveville -- ganz, verwaltet vom Landvogt von Nidau.

Weinbau und Fischerei am B. sind seit dem 13. Jh. bezeugt. Grundsätzlich durften alle Bewohner der Seedörfer fischen. Der sog. Fischer-Maien erliess ab 1397 Vorschriften zu Fanggeräten, Schonterminen und Handel zum Schutz der Fischgründe. Im 16. Jh. übernahm Bern diese Gesetzgebung ganz und regulierte die Versorgung der Märkte. Fischerzünfte (Biel 1470, La Neuveville 1597, Erlach 1622) dienten der örtl. Aufsicht und dem gesellschaftl. Leben. Berufsfischer, unter Aufsicht obrigkeitl. Seevögte, sassen v.a. in Lüscherz, Nidau, Twann, Ligerz und Erlach. Ihre wachsende Zahl machte im 18. Jh. eine Berufskonzession und eine Reduktion der Anzahl Garne (1777) nötig. Die Fischereiaufsicht über den ganzen See kam 1803 an den Kt. Bern, nach 1848 auch an den Bund (Bundesgesetze ab 1875).

Als Inhaber des See-Geleitrechts kontrollierte Bern massgeblich den Güterverkehr auf den Jurarandseen. 1637 konzessionierte es den Entreroches-Kanal von Yverdon zum Genfersee, der indes nicht die erhoffte Ausweitung des Schiffstransports brachte. Dennoch war Nidau Berns grösster Umschlagplatz von See- auf Fluss-Schifffahrt und ertragreichste Zollstätte. Weniger bedeutend war der fürstbischöfl. Zoll in Biel. Transportgüter waren v.a. Wein, Salz, Korn, Tuche und Leder. Ab 1826 befuhren Dampfschiffe vom Neuenburgersee, 1855 erstmals auch Flussschiffe von Solothurn aus den B. Nach 1860 zog die Biel-Neuenburg-Bahn allen Verkehr an sich; die Idee einer "schwimmenden Eisenbahn Nidau-Yverdon" hatte man zuvor verworfen. 1887 erhielt der B. die heute bestehende B.-Schifffahrtsgesellschaft mit Sitz in Erlach, ab 1917 in Biel. Nach wirtschaftl. Einbrüchen während der Weltkriege begann 1955 der Aufschwung des Ausflugstourismus ("Drei-Seen-Fahrt", Aareschifffahrt ab 1966). Erst 1993 gab man den seit dem 19. Jh. erwogenen Rhone-Rhein-Kanal auf, in dessen Rahmen Aare und B. eine wesentl. Rolle gespielt hätten. War das Südufer seit der Römerzeit dem Fahrverkehr erschlossen, so blieb das Nordufer bis zum Bau der Bielerseestrasse 1835-38 auf den Seeweg angewiesen. Es folgten die Bahnlinie 1858-61, die Nationalstrasse 1969-78, der Ligerz-Tunnel 1984-91. Die erste Juragewässerkorrektion (1868-75 und 1874-83 Bau des unteren bzw. oberen Zihlkanals, 1873-78 Bau des Hagneckkanals zur Einführung der Aare in den B., Gewässerkorrektionen) senkte den Seespiegel um über 2 m. Landgewinne, archäolog. Funde und der Landweg zur St. Petersinsel waren die Folgen.


Literatur
– P. Aeschbacher, Gesch. der Fischerei im B., 1923
– F. Allimann-Laubscher, Gesch. der Dampfschiffahrt auf dem B., 1965
– M. Bourquin, Bezaubernder B., 1989
– J. Winiger, «Die prähist. Besiedlungsstruktur der Bielerseelandschaft», in Die ersten Bauern 1, Ausstellungskat. Zürich, 1990, 297-306

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler