24/01/2011 | Rückmeldung | PDF | drucken

Säntis (Kanton)

Kanton der Helvetischen Republik, gebildet aus der ehem. Fürstabtei Sankt Gallen mit den Territorialherrschaften Alte Landschaft und unteres Toggenburg (Gebiet nordwestlich der Linie Hemberg-Hummelwald), der Stadtrepublik Sankt Gallen, Appenzell (Ausserrhoden) und Appenzell (Innerrhoden) und der ehem. Landvogtei Rheintal (Gebiet nördlich des Hirschensprungs). Hauptort war St. Gallen. Das Territorium mit insgesamt 140'000 Einwohnern unterteilte sich in die Distrikte St. Gallen, Rorschach, Unterrheintal, Oberrheintal, Appenzell, Wald, Teufen, Herisau, Gossau, Wil, Flawil, Mosnang und Lichtensteig. Nachdem die helvet. Verfassung im April und Mai 1798 durch die Gem. und Landsgemeinden der ehem. Territorien z.T. nur widerwillig und unter Druck angenommen worden war, trat die polit. Ordnung des Kt. S. am 21.6.1798 mit der Einsetzung des ersten Regierungsstatthalters in Kraft. Die Amtszeiten der Regierungsstatthalter Johann Kaspar Bolt (Juni 1798-Okt. 1801) und Karl Heinrich Gschwend (Nov. 1801-März 1803) waren durch militär. und polit. Umstürze sowie die österr. Besetzung und zeitweilige Rückkehr des früheren fürstäbt. Landesherrn (Mai-Sept. 1799) geprägt. Das Territorium war 1799 auch Kriegsschauplatz der europ. Grossmächte (Frankreich gegen Österreich und Russland), was für die Bewohner gravierende finanzielle und wirtschaftl. Folgen hatte. Sie fügten sich deshalb nur schwer in das neue Staatsgebilde ein und leisteten meist widerwillig franz. und helvet. Militärdienst. Unter dem Eindruck der instabilen Lage verblassten zahlreiche Neuerungen wie die Einführung von Freiheitsrechten oder die Förderung des öffentl. Schulwesens. Formell bestand der Kt. S. bis zur Einführung der Mediationsakte am 10.3.1803, doch sagten sich die einzelnen Teile bereits ab Aug. 1802 los. Franz. Druck hielt diese Entwicklung vorübergehend auf.


Literatur
AppGesch. 2-3
SGGesch. 5, 58-61
– M. Kaiser, Es werde St. Gallen!, 2003

Autorin/Autor: Patric Schnitzer