13/04/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Linth (Kanton)

Kanton der Helvetischen Republik, gebildet aus dem Land Glarus, der Stadt Rapperswil mit Untertanengebiet, den ehem. Landvogteien Rheintal (Gebiet südlich des Hirschensprungs mit Rüthi und Lienz), Sax, Gams, Werdenberg, Sargans, Gaster, Uznach, dem oberen Toggenburg (Gebiet östlich der Linie Hemberg-Hummelwald) sowie aus March und Höfe. Hauptort war Glarus. Das Gebiet mit insgesamt 78'000 Einwohnern war in die sieben Distrikte Werdenberg, Mels, Neu St. Johann, Glarus, Schwanden, Schänis und Rapperswil eingeteilt. Die polit. Ordnung des Kt. L. trat am 17.6.1798 in Kraft. Wie alle Kantone der Helvet. Republik war L. nach franz. Vorbild organisiert. In den kurzen Amtszeiten der Regierungsstatthalter Joachim Heer (1798), Johann Jakob Heussi (1798-99), Felix Christoph Cajetan Fuchs (1799), Niklaus Heer (1799-1802) und Franz Josef Büeler (1802-03) spiegeln sich die militär. und polit. Ereignisse im Gebiet, das während des 2. Koalitionskriegs 1799 Aufmarschgebiet der europ. Kriegsparteien war, was gravierende finanzielle und wirtschaftl. Folgen hatte. Im mehrheitlich kath. Kanton staute sich viel Aversion gegen den Zentralstaat an, obwohl dieser ehem. Untertanengebiete in einem gleichberechtigten Kanton vereinigte. Die Bewohner des Kt. L. leisteten nur widerwillig franz. Solddienst. Der v.a. von Geistlichen getragene Bildungsimpuls, der in der Förderung des öffentl. Schulwesens Ausdruck fand, verblasste, als 1802 der zentralist. Druck nachliess. Formell bestand der Kt. L. bis zur Einführung der Mediationsverfassung vom 10.3.1803, obschon sich das obere Toggenburg schon 1801 abgespalten hatte.


Literatur
– M. Kaiser, Es werde St. Gallen!, 2003
– B. Glaus, Der Kt. L. der Helvetik, 2005, (mit Bibl.)

Autorin/Autor: Franz Xaver Bischof